Harald Neubauer: “Gedankliches Konstrukt”
Veröffentlicht am 7. Oktober 2008
Noch nicht gewußt? Auch das deutsche Grundgesetz ist - rassistisch. Und das auf sehr heimtückische Weise. Es verschleiert seinen inhumanen Charakter mit einer scheinbar menschenfreundlichen Botschaft: “Niemand darf wegen seiner Rasse benachteiligt oder bevorzugt werden.” Was daran rassistisch sein soll? Die Antwort lieferte dieser Tage das Deutsche Institut für Menschenrechte:
Der Begriff ‚Rasse’ ist historisch extrem belastet und enthält rassistische Implikationen. Theorien und gedankliche Konstrukte, die Menschen in unterschiedliche ‚Rassen’ einteilen, waren und sind schon immer rassistisch.
Demnach waren die Verfassungsväter Rassisten - wie alle, die sich auf Artikel 3 des Grundgesetzes berufen. Mit dieser Nachricht verbindet besagtes Institut die Forderung, das böse Wort “Rasse” aus allen Amtspapieren und Paragraphen zu streichen. Auch das Grundgesetz und das erst kürzlich eingeführte Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz müßten schleunigst revidiert werden. “Zudem sollte sich Deutschland gegen einen weiteren Gebrauch des Ausdrucks ‚Rasse’ in internationalen Dokumenten einsetzen.” Das zielt - ganz bescheiden - auf die UN-Charta, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und zahllose internationale Vereinbarungen.
Eine Schnapsidee? Wenn ja, dann eine hochprozentige. Immerhin arbeitet das in Berlin ansässige Institut nicht der Comedy-Szene zu, sondern der Bundesregierung - und wird von dieser jährlich mit 1,5 Millionen Euro gesponsert. Das Signal hat also offiziösen Charakter und dürfte auch außerhalb der Amtsstuben auf vorauseilenden Gehorsam stoßen. Noch widmet sich jede halbwegs anspruchsvolle Enzyklopädie den Rassen, stellt deren Merkmale auf Bildtafeln dar. Ähnliches findet man in Schulbüchern, Reisereportagen, Völkerkundemuseen. Ein Großteil des Wissens, das die Menschheit in mehrtausendjähriger Recherche über sich gesammelt hat, müßte zensiert oder am besten gleich eingestampft werden.
Und danach? Sind dann die Unterschiede entschwunden? Bislang hat sich die Natur noch nicht an der “political correctness” ausgerichtet. Leben entsteht jeden Tag in mannigfachen Erscheinungsformen. Nicht im Schöpfungsprogramm ist der Einheitsmensch. Genau auf ihn trifft der Vorwurf zu, lediglich ein “gedankliches Konstrukt” zu sein.
Ein lebensgefährliches überdies. Denn mittlerweile hat die moderne Wissenschaft nachgewiesen, daß diverse Arzneien bei Schwarzen anders anschlagen als bei Weißen oder Asiaten. Allein in den USA sind davon jährlich rund zwei Millionen Patienten betroffen, etwa 100 000 sterben. Die amerikanische Gesundheitsbehörde befürwortet deshalb die Entwicklung “rassenbasierter” Medikamente. Schon wird Schwarzen ein spezielles Herzmittel (BiDil) verabreicht. Die dadurch Geretteten wollen partout nicht einsehen, daß sie - wie deutsche Gutmenschen meinen - lediglich Opfer “rassistischer” Scharlatanerie sind.
Noch einmal zurück zum Grundgesetz. Es bestimmt ferner, daß niemand “wegen seines Geschlechtes” bevorzugt oder benachteiligt werden darf. Vorsichtige Frage: Gibt es überhaupt unterschiedliche Geschlechter? Oder handelt es sich auch hier nur, wie bei den Rassen, um ein gedankliches Konstrukt? Das Europäische Parlament scheint Zweifel zu haben und faßte jetzt einen Beschluß gegen “geschlechtsspezifische Klischees” in Medien und Werbung. Es sei nämlich “herabwürdigend, beschämend und erniedrigend”, etwa Frauen des öfteren am Herd oder Männer nicht minder häufig in Heimwerkermontur zu zeigen. Dabei handele es sich um “künstliche Geschlechterrollen” und “Zwangsjacken”, die es abzulegen gelte.
Womit wir bei “Gender Mainstreaming” sind. Fortschrittliche Geister wollen uns einreden, die Verhaltensmuster von Männern und Frauen seien nur herbeigeredet (”sozial determiniert”) und ließen sich durch politischen Druck auflösen. Heraus käme eine Art Zwitterwesen, androgyn und geschlechtsneutral. Als Krone menschlicher Schöpfung würde es sich über die traditionelle Rollenverteilung erheben und schlimmstenfalls noch bei der Fortpflanzung in schlechte Gewohnheiten zurückfallen. Man könnte es auch Unisex-Kommunismus nennen: kein Geschlecht mehr, keine Rasse, kein Kontrast. Alles Jacke wie Hose.
Doch halt! Ein Unterschied wird uns auf alle Fälle bleiben: der zwischen ideologischer Narretei und gesundem Menschenverstand. Damit wir ihn nicht vergessen, wurde uns die politische Linke geschenkt.





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