Neumünster: Protestversammlung und
Feier zum 12. Club 88-Geburtstag

Veröffentlicht am 5. Oktober 2008

Mit einer Protestversammlung und ausgiebiger Feier bis in die frühen Morgenstunden wurde das 12jährige Bestehen des “Club 88″ in Neumünster begangen. Schätzungsweise 130-140 Kameradinnen und Kameraden befanden sich im Schnitt durchgehend vor Ort und pendelten zwischen Feier im Club und der Versammlung, die aufgrund einer Auflagenschikane nicht direkt vor der Gaststätte, sondern rund 80 Meter weiter vor dem Altbau der Gadelander Schule stattfinden durfte. Wie viele Gäste nur zeitweilig den Club besuchten, nicht aber zur Versammlung kamen, ist nicht erfasst. Antifaschos ließen sich den ganzen Abend überhaupt nicht vor Ort blicken. Lediglich ein allseits bekanntes Fotografenpärchen versteckte sich hinter den Bullen, um rasch ein paar Bilder zu knipsen.

Anfang der Woche kündigte das Ordnungsamt der Stadt Neumünster ein Verbot der angemeldeten Feier im Club 88 an. Daraufhin meldete das Club-Team die Protestversammlung unter dem Motto “Schluß mit der Repression gegen den Club 88! 12 Jahre Club – 12 Jahre Solidarität!” an. Die Stadt sah dann von einem Verbot der Feier ab, weil klar war, dass dies rechtlich keinen Bestand und auch keinen Sinn gehabt hätte. Es wurde jedoch die Auflage verhängt, dass sich nur maximal 80 Personen im Club aufhalten dürfen und eine Ausweitung der Feier auf den Hinterhof – wie bislang üblich – untersagt ist. Die angemeldete Protestversammlung, die von der Stadt zähneknirschend ohne Verbotsversuch hingenommen wurde, erfüllte also plangemäß zwei Dinge: Erstens konnte öffentlich gegen die Repression protestiert werden und Zweitens diente die Versammlung allen Kameraden, die aufgrund der ordnungsamtlichen Auflage (Überfüllung) nicht mehr in den Club hineingelassen werden durften, als Möglichkeit, sich legal in der Nähe des Clubs versammeln zu können, ohne wie im Vorjahr von der Polizei mit Platzverweisen vertrieben zu werden. Natürlich wurde auch die Versammlung nicht von Auflagen verschont, die grossteils eindeutig rechtswidrig waren, aber gegen die in der Kürze der Zeit nicht mehr gerichtlich vorgegangen werden konnte. Lediglich die Auflage, die das Verwenden der Wortfolge “Nationaler Widerstand” untersagte, wurde zurückgenommen, nachdem auf den entsprechenden Beschluß des Bundesverfassungsgerichts hingewiesen worden war.

Aufgrund der bekannten Verzögerungstaktik der Polizei bei der Zulassung von Ordnern begann die Versammlung erst gegen 18.30 Uhr. Das war aber auch völlig ausreichend, da viele Gäste erst jetzt eintrafen. Nach kurzer Begrüßung und dem pflichtgemäßen Verlesen des Auflagenbescheides wurde die Versammlung mit dem Abspielen lauter Musik über den Abend hin fortgesetzt. Kurz vor 21 Uhr untersagte die Polizei plötzlich den weiteren Betrieb der Lautsprecheranlage, weil es angeblich zu mehreren Auflagenverstößen gekommen sei, da die Anlage erst ab 50 Personen benutzt werden durfte und durch das Pendeln der Kameraden zwischen Club und Versammlung die Teilnehmerzahl natürlich nicht konstant bei über 49 blieb. Anzumerken ist, dass diese Auflage ohnehin rechtswidrig ist, weil bereits mehrere Gerichte festgestellt haben, dass eine Lautsprecheranlage auch bei weniger als 50 Personen benutzt werden darf (OVG Mecklenburg-Vorpommern, Beschluß vom 13.07.2001, Az. 3 M 65/01 und VG Schleswig, Urteil vom 25.09.2001, Az. 3 A 362/00 und VG Chemnitz, Beschluß vom 12.09.2002, Az. 2 K 1551/02). Nach dem zwangsweisen Abstellen der Lautsprecheranlage wurden polizeiliche Durchsagen lautstark mit der Parole “frei, sozial und national” übertönt. Die Versammlungsleitung weigerte sich, ohne Lautsprecheranlage die Versammlung zur vereinbarten Zeit um 22 Uhr für beendet zu erklären, so dass die Polizei dies tun musste.

Im Club lief die Feier auf Hochtouren, die Gaststätte war entsprechend den Bestimmungen voll ausgelastet. Nach Ende der Protestversammlung machten sich dann viele Kameraden auf den Weg in die Innenstadt zur Kneipe “Titanic”, wo noch ein zusätzlicher Liederabend geplant war. Die “Titanic” ist ein Lokal in der Nähe des Hauptbahnhofes und vor allem nur wenige Meter vom linken Zentrum “AJZ” entfernt, wo sich das Antifa-Gesindel an diesem Abend zu ein paar “Beats” gegen den Club 88 zusammengerottet hatte. Wenn die Linken schon nicht zum Club kommen wollen, dann muss es eben umgekehrt laufen. Der Liederabend in der “Titanic” dürfte wohl locker bis rüber zum “AJZ” zu hören gewesen sein, aber Reaktionen der Gegenseite blieben aus. Hatten wohl keine Lust, sich ein paar zusätzliche Beats abzuholen. Und als das “AJZ” schon längst geschlossen hatte, war die “Titanic” immer noch brechend voll mit Kameraden. Der harte Kern der Feiernden ist dann wieder zurück zum Club 88 gefahren und hat noch bis morgens um 6 Uhr ungestört weitergefeiert. Selbst die Bullen haben vorzeitig schlapp gemacht und das Ende des 12.Club-Geburtstages nicht mehr miterlebt.

12 Jahre Club - 12 Jahre Solidarität! Hinein ins 13. Jahr…!





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