Jürgen Schwab: Im Wahlkampfeinsatz
Veröffentlicht am 26. September 2008
Für einen Theoretiker ist es manchmal gut, an praktischer politischer Arbeit teilzunehmen. Dies aus mehreren Gründen. Zum einen, weil es Spaß macht, wie im September 2008 im Fichtelgebirge am Wahlkampf der NPD zur bayerischen Landtags- und oberfränkischen Bezirkstagswahl teilzunehmen. Zum anderen ist es von Vorteil, wenn der politische Theoretiker seine politischen Theorien auch in der politischen Praxis bzw. am Bürger ausprobiert. Denn immerhin wäre es möglich, daß die eigenen Theorien an der Wirklichkeit vorbeigehen.
Aber es gibt noch einen weiteren, eher psychologischen Grund dafür, daß der Theoretiker auch hin und wieder in politische Aktionen vor Ort eingreifen sollte. Es wird nämlich von bestimmten Parteifunktionären und selbsternannten Bewegungsführern immer wieder der Eindruck erweckt, daß bestimmte Theoretiker lebensfremde Theorien verbreiten würden, die für den politischen Kampf gar nicht zu gebrauchen seien. Das Motiv dafür ist oftmals im rein Persönlichen zu finden. Parteipolitiker fühlen sich in der Regel insgeheim Theoretikern geistig unterlegen, weshalb sie entsprechende Stimmung gegen Theoretiker verbreiten. Zumal wenn sich ein Theoretiker immer wieder kritisch mit (nationaler) Parteipolitik auseinandersetzt.
Um also die Basishaftung nicht zu verlieren, sollte sich ein Theoretiker auch hin und wieder im politischen Straßenkampf zeigen. So beteiligte ich mich Ende August 2008 an den von der „Sache des Volkes“ initiierten Verteilaktionen gegen Massenentlassungen und Ausbeutung vor Werkstoren und Büroeingängen der Siemens AG.
Siehe: JN Bayern
Ende September 2008 folgte ich dann einer Einladung des NPD-Kreisverbandes Hof-Wunsiedel, dort den bayerischen Landtags- und oberfränkischen Bezirkstagswahlkampf zu unterstützen. Nun kann man sich wirklich fragen, warum ein NPD-Kritiker die NPD im Wahlkampf unterstützt. Dies liegt daran, daß es nicht „die NPD“ gibt. Es existieren in dieser Partei verschiedene Personen und weltanschauliche Strömungen. Insbesondere an der Basis finden wir viele Idealisten vor, deren politische Arbeit man unterstützen sollte, vor allem dann wenn sich ein Kreisverband wie der in Hof/Wunsiedel auch für Schulungen interessiert. Dann sollte der Schulungsreferent auch mal zur Abwechselung dort Wahlkampfzeitungen verteilen und auf Marktplätzen durch das Mikrophon sprechen.
Unter Leitung von Tony Gentsch und Thomas „Steiner“ Wulff wurden Lautsprecherfahrten und Infostände mit akustischem Begleitprogramm durchgeführt. So ließen wir uns jeweils zweimal vor den Rathäusern von Wunsiedel und Marktredwitz sehen. Dabei verteilten wir jede Menge Wahlkampfzeitungen („Diesmal NPD wählen!“) und Faltblätter. Es kam auch zu ergiebigen Gesprächen mit Bürgern, die unseren Einsatz lobten. Am Abend des zweiten Tages, als ich wieder abreiste, fuhren die anderen Kameraden mit dem NPD-Bus weiter nach Münchberg im Landkreis Hof, um auch dort eine Kundgebung zu veranstalten.
In Wunsiedel ist es Ritual, daß irgendwelche Gutmenschen aus dem Rathaus Material für einem Infostand heraus tragen, diesen dann aufbauen, wenn örtlich und zeitlich parallel die NPD oder andere nationale Organisationen einen Infotisch aufgebaut haben. Die „Bürgerinitiative“, die aus öffentlichen Geldern finanziert wird, tritt unter dem Spruch „Wunsiedel ist bunt statt braun“ auf. Eine Dame am Infotisch bestätigte meine Behauptung ihr gegenüber, daß auch braun zur bunten Farbpalette gehöre. Die Braunzone zählt zum vollständigen Farbbild wie auch die Rot,- Dunkelrot,- Grün-, Gelb- und Schwarzzone. Aber aus ihrer Erkenntnis betreffend der Farbenlehre schlußfolgerte die von ihrem Habitus dem linksbürgerlichen Spektrum angehörende Aktivistin nicht, daß auch die von ihr so bezeichneten „Braunen“ zum politischen Leben der Fichtelgebirgsstadt gehören sollten. Dafür steht sie ja da, wenn die NPD auch vor dem Wunsiedeler Rathaus steht: nämlich dafür, daß die NPD und ähnliche Gruppen dort nicht mehr stehen sollen.
Während meines Wahlkampfeinsatzes unternahmen wir auch Lautsprecherfahrten durch die Gemeinde Warmensteinach, wo jetzt der stellvertretende Parteivorsitzende der NPD, Jürgen Rieger, ein großes Grundstück mit Gebäuden gekauft hat. Als unser Lautsprecher vom NPD-Bus aus den Ort beschallte (Wulff: „ … deshalb am Sonntag NPD wählen!“), rief eine Bürgerin – ich konnte sie beim Vorbeifahren in ihrem Garten genau sehen, als sie ihr Händi zückte – die Polizei an, die uns dann auch stoppte und uns tausend Fragen stellte (wie lange wir hier noch fahren wollen, wie oft das die Woche bis zum Wahlsonntag noch der Fall sein wird, usw. usf.). Die betreffende Bürgerin war sicherlich darüber erstaunt, daß es in der BRD formal noch so etwas wie Meinungsfreiheit – auch in Wahlkämpfen – gibt, sie deshalb unsere Parolen noch öfter zu hören bekam.
Autor: Jürgen Schwab
Bücher von Jürgen Schwab:
Die „westliche Wertegemeinschaft“, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 18 Euro.
Siehe auch: Sache des Volkes





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