Wir haben keine Wahl! - Aus dem Diskussionsprozess des Widerstandes in Südbrandenburg

Veröffentlicht am 26. September 2008

Wir haben keine Wahl! - Aus dem Diskussionsprozess des Widerstandes in Südbrandenburg

Eigentlich ist alles schon einmal gesagt wurden: Dass der parlamentarische Kampf einer Opposition in der Bundesrepublik, wenn auch oft wider Willen und Hoffnung, in irgendeiner Form bei der Fortentwicklung und Festigung des Systems mitwirkt. Dass er das Einordnen in vorhandene Verwaltungs- und Sachzwänge ebenso wie den Gebrauch von im System üblichen Mitteln erzwingt. Dass er, je länger und zunehmend erfolgreicher er geführt wird, nur zur Gewöhnung der Kämpfenden an die benutzten systemgemäßen Formen führen muss, bis hin zu Verrat an den ursprünglichen Zielen, die in einer begrenzten bis völligen inneren und äußeren Anpassung enden.

Das heißt: Die Kämpfenden, die ursprünglich von einer Begeisterung für die vom System befreienden Ziele getragen wurde, verstrickt sich in systemgemäße Verhaltensweisen und enden nicht in der Befreiung, sondern in einer als „Reform“ auftretenden Neuanpassung des Herrschaftsapparats.

Alles ist schon einmal gesagt wurden, aber nichts und nirgends wurde etwas begriffen. Und so kann es auch nicht überraschen, dass am kommenden Sonntag Vertreter von NPD wie DVU, zwischen all den anderen Demokraten, um die Stimmen derer streiten, die allein aus materieller Unzufriedenheit „mal was anderes wählen“ sollen.

Es ist die Konzeption des parlamentarischen Kampfes, die den Prozess erzwingt, unbedeutende Wahlergebnisse als bedeutend hinzustellen, den Mensch der Stimme wegen zu überreden, anstatt ihm in tiefsten Inneren anzusprechen und als Ganzes zu gewinnen. Es ist genau dieser Prozess, der verhinderte, dass Persönlichkeiten hervorgebracht werden können, weil alle Anstrengung immer nur der nächsten Wahl, niemals aber den Menschen gelten kann. Der Prozess, der nun keine andere Möglichkeit zulässt, Kandidieren aufzustellen, die entweder unfähig sind ihr eigenes persönliches Leben zu organisieren, mit noch nicht einmal 35 Jahren als „Frührentner“ eingestuft wurden oder seit langer Zeit für sich erkannt haben, wie das Bewusstsein des eigene Versagens im Alkoholrausch erstickt werden kann.

Vielleicht mag es gelingen, den einen oder anderen dieser Kandidaten in einen Abgeordnetensessel zu hieven, spätestens dort aber offenbaren sich deren erschreckende Mängel und es kann kein Zweifel daran bestehen, dass diese nur Schaden verursachen können, der die Grenzen der eigenen Strukturen überschreiten und den gesamten Widerstand in den Regionen treffen wird.

Wer sich überprüft und dabei ertappt, mehr und mehr Handlungen zu begehen, die den eigentlichen Zielen und Idealen wiedersprechen, der ist bereits schleichend zum Teil des System geworden, dem er vorher noch ablehnend gegenüberstand. Man neigt dann vielleicht dazu, Mitgliederzahlen und Prozentergebnisse für das wichtigste im politischen Leben zu halten, charakterliche Mängel seiner Mitkämpfer zu übersehen und üble Zustände in der Organisation schönzureden - wir aber wollen und können dies nicht!

Stellen wir fest: Das Streben nach parlamentarischer Macht, hat üble Gestalten empor gebracht, deren Übereinstimmung darin besteht, innerlich schwach zu sein. Die verantwortlichen Entscheidungsträger haben sich durch ihre Konzeption, der wir nicht zustimmen und die wir in ihrem Ergebnis nur ablehnen können, so weit entfremdet, dass nicht mehr der Mensch, sondern Zahlen, nicht mehr das Volk, sondern Wahlen das handeln ihres Kampfes bestimmen. Indem sie als Auffangbecken für Unzufriedene wirken, täuschen sie die Menschen unseres Volkes über das tatsächliche Wesen des Systems, das keine parlamentarische Opposition außerhalb der von ihm vorgeschriebenen ideologischen Grenzen zulässt und ersticken damit jeden Aufstand der Unzufriedenen bereits vor seiner Entstehung.

Damit hat sich gezeigt, dass unsere bisherige Haltung, uns aus dem Geschehen heraus zu halten, die falsche Entscheidung war. Wer sich bewusst zum Widerstand gegen den Apparat bekennt, muss gleichzeitig die Formen und Werte des alten Systems ohne Kompromisse aufgeben. Die politische Macht, die befreien kann, kann daher nicht aus den Parlamenten kommen.





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