Gladbeck: Vom bürgerlichem und nicht existenten autonomen Antifaschismus im Vorfeld der Kundgebung am 05.07.

Veröffentlicht am 4. Juli 2008

1.500 Gegendemonstranten werden am 05. Juli gegen 10.30 Uhr Ortszeit in der Gladbecker Innenstadt erwartet. So schallt es zumindest durch die örtlichen Radioanstalten. 300 Plakate und 5.000 Handzettel sollen es gewesen sein, die das Gladbecker Bündnis für Courage verteilt hat mit dem Aufruf zum Gegenprotest. Als kluger Mensch fragt man sich, wo diese Plakate ihr Zuhause fanden. Im Freien wurden keine dieser Hetzschriften ,,gegen Neonazismus“ entdeckt. Man konzentrierte sich darauf die Plakate in gutbürgerlichen Geschäften anzubringen. Schade nur, dass diese Geschäfte selten die Meinung der Gegenorganisatoren teilen. So finden wir bis dato lediglich 3 Plakate in Geschäften auf der Hochstraße. Darunter eine Fleischerei, ein Parteibüro, sowie eine Eisdiele im City-Center. Ferner hängen noch welche in der Zweckler Sparkasse und wohl in allen übrigen Parteiquartieren. Da die Plakat derart schlecht gestaltet waren und keinerlei wirklich Information boten als reine Hetze und Vorurteile gegen Jugendliche, erwarten wir hierdurch keine großen Massen an Gegendemonstranten. Natürlich sind wir uns sicher, dass am 07. Juli die Zeitungen von mehreren ,,Tausend“ Gegendemonstranten berichten werden, denn wie bereits berichtet wird man ein ,,weißes Tuch gegen Fremdenfeindlichkeit“ über die gesamte Hochstraße spannen. Jeder Gladbecker der also Samstag einkaufen muss, und unter diesem Tuch herläuft, wird als Gegendemonstrant gewertet. Den wirklichen Protest, bestehend aus Linke, DKP, Grüne, SPD, verschiedenen verirrten Jugendverbänden, sowie Kirche und Gewerkschaften schätzen wir realistischerweise auf ca. 70-80 Personen. Man mag uns eines besseren belehren.

Weiter gab es im Vorfeld wenig nennenswerte Aktionen des bürgerlichen Widerstandes. Am 28.06. baute man, unter Federführung des DGB-Ortsverbandsvorsitzenden Roger Kreft, einen Informationsstand auf dem morgigen Gegenkundgebungsplatz auf, forderte einen Mindestlohn und stellte sich weiterhin als sozial hin. Wir erkennen hingegen, wie bereits ausführlich thematisiert, den Begriff ,,sozial“ nicht als positive Bezeichnung an. Das Wort sozial ersetzte vielmehr die Volksgemeinschaft. Was früher als selbstverständlich galt, wird heute unter dem Synonym ,,Soziale Arbeit“ geführt, nun aber multikulturell und tolerant ausgelegt. Sozialen Einsatz benötigt eine Volksgemeinschaft aber nicht, sie hilft sich gegenseitig ohne dafür Anerkennung fordern zu wollen.

Die autonome Antifa, die zwischenzeitliche ganze 24 Stunden mit einem eigenen ,,Blog“ im Weltnetz vertreten war, glänzt nebenher lediglich mit Abwesendheit. Am 03. Juli erschien ein Bericht auf dem antifaschistischen Netzportal Indy, der von einer spontanen Demonstration in Gladbeck berichtete, die sich gegen die bevorstehende Nazikundgebung richte. Diese Demonstration, die vom West-Bahnhof, durch die Innenstadt, über den Oberhof hinweg bis nach Gladbeck geführt haben soll, gab es nur in dieser Form leider nicht. Zumindest dürften es dann keine, wie angepriesen, vierzig Teilnehmer gewesen sein. Zur angegeben Zeit, die auf Indy veröffentlicht wurde, befanden sich mehrere Nationalisten aus arbeitstechnischen Gründen in der Innenstadt, einer war am Oberhof beschäftigt. Nirgends zog dort zwischen 12 und 18 Uhr eine antifaschistische Spontandemonstration entlang. Auch klebten bis einschließlich 22 Uhr in Gladbeck-Ost, in der Innenstadt, sowie an den parallellaufenden Querstraßen noch alle Aufkleber mit national und sozialistischen Inhalt. Erst gegen 23.30 Uhr begaben sich Kleingruppen von Antifaschisten, uns fielen vier Personen darunter eine Frau auf, in die Innenstadt und nach Gladbeck-Ost. Um es so aussehen zu lassen als ob es eine Demonstration gegeben hätte, folgte man der zuvor angegebenen Demoroute, stets begleitet von Nationalisten. Diese hatte man dann wohl auch ausgemacht, daher rottete man sich erneut zusammen um Richtung Gladbeck-Ost aufzubrechen, dort hatte man wohl Nationalisten gesichtet. Doch leider war auch hier kein Antreffen möglich. Liegt aber wohl leider daran, dass ortsfremde Personen gegenüber den Bewohnern des Viertels klar im Nachteil sind. Gegen drei Uhr Nachts war dann auch Ruhe für die Nationalisten, nachdem man in der Innenstadt, am Goetheplatz, auf der Buerschen Straße, sowie in ganz Gladbeck-Ost alle Aufkleber mit antifaschistischen Inhalt entfernt hatte.

Die Antifaschisten, die offensichtlich den Plan verfolgten durch den ,,ausgedachten“ [Wir wollen gar nicht bezweifeln dass es eine Demonstration gab, nur nich auf der beschriebenen Route und auch keine ,,Entfernungs“-Aktionen vor 23 Uhr] Demonstrationsbericht die örtlichen Nationalisten unruhig zu machen, um sie somit aus ihren Häusern zu locken, haben ihre Zeit nutzloserweise in Gladbeck-Ost verbracht. Zu der Zeit, als der Bericht auf Indy online ging, befanden sich noch einige wenige Antifaschisten in Ost, um herauseilende Nationalisten abzufangen, der einsetzende Regen machte auch diesen Plan zu Nichte. Die Klebeaktionen in der Nacht wurden bereits wenige Minuten später beseitigt. Flugblätter, die es nach Aussage der Gladbecker Antifa gegeben haben soll, wurden weder in der Innenstadt, noch in Ost, angebracht oder verteilt.

Wir werten diesen Versuch also als einen gutgemeinten Ansatz antifaschistischer Arbeit. Nur hat man, wie immer, vergessen seine eigenen Inhalte rüberzubringen. Plumpe Anti-Hetze gegen regionale Aktivisten, der Versuch diese in Fallen zu locken, mag den Antifaschisten an sich befriedigen, hat aber keinerlei Auswirkungen auf unsere politische Arbeit. Da diese im Vordergrund steht, und unser leibliches Wohl erst nach diesem Ziel steht, machen wir uns insofern keine Sorge um die Zukunft.

Wir betrachten das Ganze mit einem weinenden und einem lächelnden Auge, besonders wenn wir sehen dass auch Antifaschisten Urlaub von ihrer Hysterie machen, und, wie beispielsweise gegen die Türkei, mit BRD-Fahnen bewaffnet Fußballsiege feiern können. So geschehen am Kreisverkehr vor der Alten Post, dem jetzigen Brauhaus, ne Till?

Freie Nationalisten aus Gladbeck

Nachtrag zu den Aufklebern:

Wir fragen uns seit geraumer Zeit, weshalb Gladbecker Antifaschisten Aufkleber der Gruppe ,,Solid” benutzen [blauer Geißbock], aber immer, bevor sie diese anbringen, mit einer Schere fein säuberlich die Adresse von ,,solid” entfernen. So auch bei weißen ,,Update your City” Aufkleber, und gelben Aufklebern, die anscheinend von den Falken stammen. Gibt es dort interne Probleme? Des weiteren empfehlen wir der Antifa vor dem nächsten Rundgang, den man dann wieder als Demo auslegt, die Aufklebersortimente der nationalen Versände auswendig zu lernen, damit man nicht wieder 500 Aufkleber neben, ansatt über, nationale Aufkleber hängt.





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