Der Schwindel von Ludwigshafen -
Kritik an der Kampagne türkischer Medien

Veröffentlicht am 27. Juni 2008

Der Schwindel von Ludwigshafen - Kritik an der Kampagne türkischer MedienNachdem die Staatsanwaltschaft offiziell bestätigt hat, dass die verheerende Feuerkatastrophe von Ludwigshafen, bei der in einem Wohnhaus Anfang Februar neun Menschen ums Leben gekommen waren, nicht durch einen Anschlag ausgelöst wurde, sondern durch einen Schwelbrand unter der Kellertreppe, geht die Diskussion um die Folgen der in diesem Zusammenhang verbreiteten Medienhysterie weiter.

Türkische Medien hatten nach der Brandkatastrophe einen „rechtsradikalen Anschlag“ herbeiphantasiert. Die reißerischen Berichte waren zum Teil mit Hakenkreuz-Symbolen illustriert. Das türkische Massenblatt „Hürriyet“ bezeichnete Ludwigshafen als ein „Nest von Neonazis“. „Das abgebrannte Haus trägt die Unterschrift der Nazis“, schrieb „Hürriyet“. Auch andere große türkische Zeitungen wie „Milliyet“, „Türkiye“ und „Sabah“ legten mit antideutschen Anschuldigungen nach.

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ brachte jetzt einen ausführlichen Bericht unter der Überschrift „Die Lehren von Ludwigshafen“, in dem sich der Verfasser kritisch mit der Kampagne türkischer Medien nach der Brandkatastrophe vom Februar auseinandersetzt. Türkische Zeitungen und Fernsehsender hätten ihre Landsleute in Deutschland mit haltlosen Vorwürfen aufgepeitscht, heißt es in dem Artikel. Feuerwehrleute seien daraufhin von Angehörigen der türkischen Gemeinde als „Nazis“ und „Mörder“ beschimpft worden und mussten nach Drohungen sogar unter Polizeischutz gestellt werden. Für türkische Medien seien zwei verwirrte Kinder, die einen Mann gesehen haben wollten, der im Treppenhaus neben einem Kinderwagen gezündelt haben soll, gerade recht gewesen, um die ungeheuerliche Kolportage von der „Nazi-Brandstiftung“ in die Welt zu setzen. Erst der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan habe durch seine Ansprache in Ludwigshafen eine Deeskalation der Lage bewirkt. Die politische Kultur habe unter der Kampagne türkischer Medien stark gelitten, bilanziert die „FAZ“.

Mit den Auswüchsen etablierter Massenmedien befasst sich auch das im FZ-Verlag erschienene Werk „Schweinejournalismus? – Wenn Medien hetzen, türken und linken“. Das von Dr. Thomas Mehnert herausgegebene Buch beleuchtet hemmungslose Medienmachenschaften. Im Mittelpunkt steht dabei die beispiellose Rufmordkampagne im Zuge des „Aufstands der Anständigen gegen Rechtsradikale“ vor wenigen Jahren.

Dr. Mehnert, der sich seit Jahren eingehend mit dem Missbrauch der Medienmacht beschäftigt, hat bis in die achtziger Jahre hinein in der DDR gelebt. In der kommunistischen SED-Diktatur waren Gleichschaltung und Agitprop offenkundig. Dass aber auch im Westen, raffinierter zwar und verdeckter als in der DDR, Hetze und Verdrehung von Tatsachen in Medien keine Seltenheit sind, wurde ihm bald klar. Sein Werk leistet einen wichtigen Beitrag dazu, die Medienmachenschaften Herrschender aufzudecken und kann daher jedem Freigeist besonders ans Herz gelegt werden.


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