Die EU spricht kein Deutsch - Die Diskriminierung unserer Sprache

Veröffentlicht am 22. Juni 2008

Deutschland ist der größte Zahlmeister der EU, das bevölkerungsreichste Land der EU, Deutsch ist die von der Mehrzahl der EU-Bürger gesprochene Sprache. 91 Millionen Menschen bezeichnen Deutsch als ihre Muttersprache, vor Englisch mit rund 62 Millionen „Native Speakern“ und Französisch, das 58 Millionen Menschen von der Wiege an lernen. Deutsch ist neben diesen beiden die offizielle Amtsprache der EU. Und trotzdem werden wichtige Dokumente nicht ins Deutsche übersetzt. Die deutsche Sprache spielt in der EU nur eine untergeordnete ­Rolle.

Zum einen erschwert dieser Umstand die Arbeit der deutschen EU-Parlamentarier erheblich. Eine angemessene Beratung über EU-Vorlagen wird massiv eingeschränkt. Wenn dann aber doch eine Übersetzung vorgelegt wird, ist die nicht selten um ein Vielfaches komprimiert. „Die Zahl der EU-Dokumente, die von den Bundestagsausschüssen aufgrund der fehlenden deutschen Sprachfassung nicht beraten wurden, beläuft sich inzwischen auf mehr als 40“, erklärte ein CSU-Politiker. Deutschland könne seine „Kontroll- und Legislativaufgaben“ durch die Benachteiligung der Sprache nicht erfüllen. Zum anderen ist die Diskriminierung der deutschen Sprache, anders kann man es wohl nicht nennen, ein bezeichnendes Symbol für das tatsächliche Verhältnis der Bundesrepublik zum europä­ischen Überbau. Wir zahlen und zahlen, den Vorteil daraus ziehen andere.

Keine Sprache, keine Identität

Schwer vorstellbar, dass zum Beispiel Frankreich in gleicher Weise die Unterdrückung des Französischen zulassen würde. Während einem Franzosen der Schutz der eigenen Sprache über alles geht, in seinem Land eine Mindestquote französischsprachiger Musik im Radio existiert und für neue englische Wörter im Technik- oder Kommunikationsbereich einfach entsprechende französische erfunden werden, wird die Muttersprache in Deutschland einer Verballhornung ausgesetzt, die ihresgleichen sucht. Englische Begriffe werden übernommen und gegenüber ihrem deutschen Pendant sogar aufgewertet. Mit der Sprache aber verliert ein Volk seine Identität. Hierzu ein Wort des Nobelpreisträgers Konrad Lorenz: „Es sind die Verschiedenheiten der Kulturen, die für die Höherentwicklung der Menschheit maßgeblich gewesen sind. Der Mensch, von Natur aus ein Kulturwesen, kann ohne das Stützskelett, das ihm seine Zugehörigkeit zu einer Kultur und seine Teilhaberschaft an ihren Gütern verleihen, schlechterdings nicht existieren. Wer das geistige Erbe der Kultur verloren hat, ist wahrhaft ein Enterbter.“

Ob sich deutsche Politiker darüber nicht im Klaren sind, wenn sie lediglich Intensivkurse in den EU-Institutionen und „kulturelle Präsenz“ in Brüssel fordern, den Missständen zu Hause allerdings nicht entgegentreten? Vielleicht ist ihnen diese Entnationalisierung der Deutschen gar kein Dorn im Auge, in Globalisierungszeiten, wo alles zum Internationalen und zum Weltbürgertum ohne Volkseigenheiten strebt. Bedenklich ist es, dass im „Schwarzbuch Deutsch – Rotbuch Deutsch“, das eine Liste bedrohter oder ausgestorbener deutscher Wörter führt, das Wort „Volk“ mit der Bemerkung „heute ersetzt durch: Bevölkerung“ versehen ist. Wenn Frankreich am 1. Juli die Ratspräsidentschaft der EU übernimmt, sollen übrigens alle EU-Dokumente auf Arbeitsebene ausschließlich auf Französisch erscheinen.


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