Dresden: 1. Mai - Arbeitsagentur geschlossen

Veröffentlicht am 15. Mai 2008

Es ist Mittwochmorgen, langsam geht die Sonne über Dresden auf. Unzählige Menschen befinden sich bereits auf Arbeit. Doch es gibt noch welche denen das vergönnt bleibt. Herbert Knecht zählt zu diesen Menschen. Heute hat er einen Termin bei der Arbeitsagentur und ist schon zeitig aufgestanden, um bei dem Ansturm auf das Amt einer der Ersten zu sein. Noch im Morgengrauen macht er sich auf den Weg, doch die Hoffnung eine Arbeit zu finden, mit der er seine Familie ernähren kann, hat er längst aufgegeben. Seine Frau geht Schwarzarbeiten als Putzkraft, sonst würden sie mit Hartz4 nicht überleben können.

Als Herbert am Amt eintrifft, staunt er nicht schlecht. Es muss etwas passiert sein meint er, denn der Eingang ist abgesperrt. Doch er entdeckt das Hinweisschild am Eingang und staunt nicht schlecht als er ließt: “WEGEN AUSBEUTUNG GESCHLOSSEN - FÜR EINEN NATIONALEN SOZIALISMUS”. Er war kaum fertig mit lesen da kommt jemand Wutendbrand und reißt das Schild ab. “Diese Nazis meinen wohl das ihr Sozialismus für die Menschen besser wäre”, schreit ein junger Mann im Anzug, der offensichtlich für das Amt arbeitet. Herbert versucht nachzufragen wird aber nicht beachtet.

Einige Stunden später kommt er ernüchtert aus dem Büro seines Arbeitsvermittlers: “Wieder nichts für mich” meint er und geht bedrückt Heim. Im Briefkasten entdeckt er dann ein kleines unscheinbares Flugblatt auf dem steht “Das System ist dein Feind - Kapitalismus abschaffen - Für einen nationalen Sozialismus - Volksgemeinschaft statt BRD”. Herbert ließt es aufmerksam und legt es dann zum Altpapier. Doch noch Abends als er im Bett liegt lässt es ihn nicht los, und immer wieder denkt er, “Volksgemeinschaft, ja das ist es, was uns fehlt”


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