Jürgen Schwab: Hunger als Waffe

Veröffentlicht am 12. Mai 2008

Infolge gestiegener Lebensmittelpreise sterben jeden Tag Tausende weltweit an Hunger. Nahrungsmittelsind zwar genug da, aber das westliche Monopolkapital der Agrarfabriken und der Lebensmittelbranche treiben künstlich die Preise in die Höhe, um ihre Profite zu steigern. Daß Tausende am Tag verrecken, stört die Herrschaften in ihren noblen Villenvororten nicht. Wenn das Volk aufmuckt, gibt’s vom Repressionsapparat eine aufs Maul. Wie unlängst in Ägypten Protestaktionen von Arbeitern gegen die Wucherpreise beim Brot durch das Militärregime von Mubarak brutal niedergeschlagen wurden. Es gab mehrere Tote und Verletzte. In den BRD-Medien konnte man darüber kaum etwas lesen. Warum denn auch? Befindet sich doch das Regime von Mubarak fest im Griff von CIA und Mossad!

Ganz anders in Burma, wo das Militärregime ein gutes Verhältnis zu Peking pflegt. In Burma würden Abstimmungen und Wahlen gefälscht, lassen uns die BRD-Preßbengels wissen. Aber warum so weit in die Welt schweifen, wenn man von unfreien Wahlen auch aus der Heimat berichten könnte? Bei uns beispielsweise wird die NPD seit Jahren unter Verbotsdruck gesetzt – ein Wink mit dem Zaunpfahl für Wähler und potentielle Mitglieder. Im Münchner Wahlamt schickte man vor ein paar Monaten Bürger nach Hause, welche die Bürgerinitiative Ausländerstop mit ihrer Unterschrift zum Antritt zur Stadtratswahl unterstützen wollten.

Während sich alle Staaten der „Westlichen Wertegemeinschaft“ – von der BRD bis Ägypten – dem Diktat von Weltbank, IWF und WTO unterworfen haben, was offene Märkte und umfassende Privatisierungen mit sich bringt, gibt es ein paar „Schurkenstaaten“ wie Burma, die immer wieder aus der Reihe tanzen. Das geht dann soweit, daß man nach einer Flutkatastrophe zwar gerne Hilfsgüter wie Medikamente und Lebensmittel ins Land läßt – vor allem wenn der Wohltäter uneigennützig auftritt! –, aber für die Verteilung vor Ort selbst sorgen möchte. Während dessen möchten westliche Staaten und Hilfsorganisationen der UNO – an der staatlichen Souveränität Burmas vorbei – die Hilfsgüter eigenmächtig verteilen. Vielleicht wird dann auch noch Propaganda unters Volk gebracht. Man könnte dem Volk erklären, daß der Hunger bald vorbei ist, wenn man sich zuvor den USA, der Weltbank und dem IWF unterworfen hat. Also, eine orangene Revolution muß her, damit der Magen nicht mehr in der Kniekehle hängt!

Der Redaktion von Spiegel-Online ist ein schwerer Lapsus passiert, als man folgende Textpassage veröffentlichte: „Mitarbeiter der Oppositionspartei Nationalliga für Demokratie NLD hätten am gestrigen Samstag in allen Landesteilen Einschüchterungen, Nötigungen und direkte Fälschungen beobachtet, berichtete die US-Kampagne für Burma.“ (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,552709,00.html)
Von welcher „US-Kampagne für Burma“ ist hier die Rede? Was haben die dort eigentlich verloren? Hunger for regime change?

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Die „westliche Wertegemeinschaft“, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 18 Euro.


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