Liebe Polizeigewaltsgegner,
es fiel in den letzten Tagen sicher schwer, nicht mitzubekommen, daß es in Hamburg zu Bürgerkriegsähnlichen Zuständen kam. Alle Medien berichten davon, denn das von Journalisten jedes Jahr gefürchtete “Sommerloch” lässt sich mal wieder einige Tage nach hinten verschieben. Erst am gestrigen Sonntag wieder: 30 Minuten Sendezeit von SPIEGEL TV auf RTL zur besten Sendezeit waren den Ausschreitungen von Hamburg gewidmet. Nicht etwa auf die Ursachen, warum man am 1. Mai in HH demonstrierte wurde eingegangen, nein, die Botschaft sollte lauten:
10 000 Böse Linke Chaoten gegen 1 000 noch bösere rechte Chaoten und mittendrin: 1 600 ordentliche Polizisten, die sich nicht nur alle absolut vorbildlich verhielten und zum Schutz der Allgemeinheit ihr Leib und Leben aufs Spiel setzten, nein, ohne denen es gar “Tote gegeben hätte”, wovon Hamburgs Polizeipräsident wohl selbst überzeugt ist.
Schwarze Schafe mag es überall geben, nicht aber bei der Polizei? Wer sich kritisch die bewegten Bilder in den Medien ansah, hat trotz aller Bemühungen immer wieder Polizisten gesehen, die sichtlich grundlos auf am Boden liegende, oder unbeteiligte Demonstranten einschlugen- und dies mehrmals, was eine Handlung im Affekt ausschließen lässt. Hier nun ein etwas anderer Bericht zu Hamburg:
1. Mai - Im Zeichen der Polizeigewalt!
Am Morgen, als man Hamburg erreichte, war nur eines klar: Heute wird kein normaler Tag! Was dann aber in den nächsten Stunden passierte, war nicht vorherzusehen:
Während Linksextreme brennende Barrikaden errichteten, Autos und Geschäfte in Brand setzten und sich mit der Polizei Straßenschlachten lieferten, kam es immer wieder zu Polizeiübergriffen auf friedliche Nationalisten, die dann natürlich von ihrem Notwehrrecht gebrauch machten.
Bereits nach wenigen Metern kam es zu ersten Übergriffen: ca. 500 Nationalisten, die aus ihren Reisebussen ausgestiegen waren und sich auf den weg zum Treffpunkt machten, wurden nach einer kurzen Rangelei eingekesselt und erst nach längerer Zeit in einen 2. Kessel gelassen, welcher als Sammelpunkt für die Demonstration diente. In diesem Kessel sollte man nun mehrere Stunden ausharren, während rund herum Rauchwolken am Horrizont aufstiegen und antifaschistische Fahnen wehten. Die Polizei übte sich in einer Hinhaltetaktik und nutzt übliche vorgeschobene Gründe wie beispielsweise die Prüfung der Ordner oder den fehlenden Kontakt zum Versammlungsleiter, um den Demonstrationsstart zu verzögern. Als plötzlich aus einem Schrebergarten Steine geflogen kamen, kam es zu einer ersten kürzeren Auseinandersetzung, wobei die Antifaschisten schließlich unter Polizeischutz den Rückzug durch die Gärten antraten. Anschließend war wieder das übliche Warten angesagt, da es weder vor noch zurück ging. Plötzlich tauchte auf der anderen Seite auf einem Acker ein Mob Antifaschisten auf, die zielstrebig in Richtung der Kameraden gingen. Offenbar durch den Wind fielen schlagartig einige als Absperrung dienende Bauzäune um und über 100 Kameraden nahmen sich dem Problem an. Hier kam es zu einer mehrere Minuten dauernden Auseinandersetzung, die letztlich von anrückenden Polizisten beendet wurde. Ob dieses Ereignis die Polizei veranlasste, die Demonstration dann doch endlich durchzuwinken oder die Prüfung der Ordner nun fertig war, ist nicht bekannt, auf jeden Fall ging es nun los und der Demonstrationszug mit etwas mehr
als 1000 Kameraden marschierte durch Hamburg. Auf der gesamten Wegstrecke waren ausgebrannte oder noch brennende Mülltonnen und Baustellenreste zu sehen, aus Büschen flogen Steine und alle paar Minuten rannte eine halbe Hundertschaft aufgeschreckt von einem zum anderen Ende der Demonstration. Durchaus ein turbulenter Tag!
Bis zur Abschlusskundgebung verlief die Demonstration dann auch weitestgehend ohne größere Störungen. Das sollte sich aber noch einmal ändern:
Auf der genehmigten Kundgebung bekam man auf einmal durch Polizeilautsprecher gesagt, dass der “polizeiliche Notstand” vorliege und die Kundgebung unverzüglich beendet werden müsste. Die Mehrheit der Anwesenden sah dies aber anders und begann mit dem Absingen des Deutschlandliedes, wobei noch vor Ende der ersten Strophe wildgewordene Polizisten mit Schlagstöcken wahllos in die Menge prügelten, Pfefferspray versprühten und auch mindestens eine Tränengasgrante abschossen. Nur durch entschlossenen Widerstand konnte diese Situation bereinigt werden, so dass sich die Polizei letztendlich zurückzog. Zahlreiche Kameraden mussten danach von den Demosanitätern behandelt werden.
Wenig später kam es auf dem Bahnsteig erneut zu Repressionen, als
Polizeieinheiten über den Bahnsteig stürmten und versuchten, Kameraden festzunehmen. Nach dieser kurzen Rangelei beruhigte sich die Situation erst einmal und der Großteil der Kameraden, die mit Reisebussen angereist waren und nach deren Zerstörung mit dem Zug zurück musste, bestieg die Bahn.
Sonderlich lange sollte die Fahrt allerdings nicht dauern: Bereits beim nächsten Zwischenhalt griffen Antifas den Zug an und entglasten zahlreiche Scheiben. Die im Zug befindlichen Kameraden ließen sich dies aber nicht gefallen und vertrieben die Antifaschisten schnell und entschlossen vom Bahnhof, wobei der ein oder andere die nächsten Tage noch die Nachwirkungen spüren dürfte…
Da die entglaste Bahn nicht mehr weiterfahren konnte, stand nun eine längere Wartezeit an, bis endlich ein Sonderzug bereitgestellt wurde. Dieser fuhr nun ohne Zwischenstop zum Hamburger Hauptbahnhof, an welchen man schon von wenigen Antifas empfangen wurde. Während der Wartezeit auf den Zug Richtung Bremen, der von der Polizei zugeteilt wurde, obwohl die Kameraden lieber einen ICE nehmen wollten, der sie direkt ohne Umsteigen nach Hause bringt, kam es immer wieder zu Rangeleien. Die Polizei hielt sich gegen Ende aber spürbar zurück und erhoffte sich wohl einen ruhigen Feierabend.

Die Zugfahrt mit einem Regionalexpress verlief problemlos. In Bremen angekommen, stellte man fest, dass der Großteil der zu diesem Zeitpunkt circa. 3-400 Kameraden 2 Stunden Wartezeit zu überbrücken hatte, während die Kameraden Richtung Ostwestfalen mit einem Regionalexpress bereits nach wenigen Minuten weiterreisen konnten. Eigentlich sollten 2 Stunden Wartezeit nicht großartig zu erwähnen sein, allerdings waren diese 2 Stunden durchaus turbulent: Sofort nach Ankunft der Kameraden wurde der gesamte Bahnhof panisch durch die Polizei abgesperrt. Völlig überforderte Streifenpolizisten mit 80er-Jahre Motorrad Helmen verteilten nach Gesichtskontrolle Zutrittsrechte zum Bahnhof bzw. verweigerten diese.
Kurz vor der Ankunft des IC-Zuges nach Dortmund gab es dann plötzlich wieder Tumulte: Ein Kamerad wurde grundlos festgenommen! Es entstanden blitzartig Tumulte, wobei die Polizisten panisch und völlig überfordert auf alles einschlugen, was sich bewegte. Diese Gewalteskalation wurde von den Kameraden entsprechend beantwortet, so dass sich die Polizei nach kurzer Zeit zurückzog und sich beruhigte. Allerdings gab es nun einen Festgenommen, was von den restlichen ca. 200 Kameraden mit der Blockade des Bahnsteigs, auf welchem der Zug abfahren sollte, beantwortet wurde.
Die immernoch überforderte Polizei versuchte kurz durchzubrechen, merkte aber schnell, dass mit entschlossenem Widerstand zu rechnen war und wollte nun doch wieder Ruhe einkehren lassen. So wurde der festgenommene Kamerad wieder freigelassen und der IC-Zug konnte mit einer Verspätung von 45 Minuten losrollen.
Hiermit war der ereignissreiche Tag eigentlich schon zu Ende, wenn nicht am Dortmunder Hauptbahnhof zufällig gerade der Antifa-Bus aus Hamburg zurückkam. So gab es die für Dortmund üblichen Bilder: Rennende und stolpernde Antifaschisten und panisch auffahrende Polizeikräfte.
Alles in allem lässt sich die Verletztenbilanz des Tages in etwa wie folgt einschätzen:
Circa 40 Verletzte durch Trängengas
mehrere Kameraden, die durch Steinwürfe verletzt wurden
1 Kamerad, dem 2 Zähne rausgeschlagen wurden
und zahlreiche kleinere Wunden und Prellungen.
Gegen Polizeigewalt und Antifa-Terror: Baut die nationale Selbsthilfe aus!
Der Bericht stammt zum Großteil von einem Demonstrationsteilnehmer.
Weitere Infos: www.widerstand.info , www.erstermai.org
Solltet Ihr rechtliche Schritte einleiten wollen oder erwarten, beschuldigte entlasten können o.ä., empfehlen wir, Euch direkt mit dem EA auseinanderzusetzen. Diesen könnt Ihr ebenfalls über die Demosonderseite erreichen.
Beste Grüße,
die polizeigewalt.info- Redaktion

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