Anstieg des sozialen Abstiegs

Veröffentlicht am 11. April 2008

Die Mittelschicht in Deutschland ist in den vergangenen Jahren dramatisch geschrumpft. Nach einem Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sei der Anteil der Bevölkerung, die über ein sogenanntes Durchschnittseinkommen verfüge, in den letzten sieben Jahren von 62,3 auf 54,1 Prozent gesunken. Insgesamt seien in dieser Zeit fast fünf Millionen Deutsche aus der Mittelschicht in die Randzonen der Gesellschaft abgerutscht.

Parallel zum Abbau der Mittelschicht sei der Anteil der armutsgefährdeten Personen (weniger als 70 Prozent des mittleren Einkommens) deutlich gewachsen. Diese machten im Jahr 2006 über ein Viertel der Gesamtbevölkerung aus. Vor allem klassische Familienhaushalte mit einem oder mehreren Kindern seien von diesem Abstieg betroffen.

Die Ursachen dafür liegen neben der gestiegenen Langzeitarbeitslosigkeit und dem niedrigeren Einkommen beim Arbeitslosengeld II auch an der »Flexibilisierung des Arbeitsmarktes«. So gehen immer weniger Menschen einer festen Vollzeitbeschäftigung nach, während sich immer mehr abhängig Beschäftigte in Teilzeit- oder geringfügigen Beschäftigungen wiederfinden.

Immer mehr Leiharbeiter

Die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht – auf 731.000 Ende Juni 2007. Zeitarbeit sei besonders für Arbeitslose, Berufseinsteiger oder Berufsrückkehrer eine Chance, berichtete die Bundesagentur für Arbeit: Von den 517.000 Zeitarbeits-Neueinsteigern waren Ende Juni 2007 mehr als 300.000 zuvor ohne Beschäftigung. Allerdings waren auch nur 210.000 bei einer Leiharbeitsagentur länger als drei Monate unter Vertrag.


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