Die Zerstörung der Stadt Zerbst am 16. April 1945

Veröffentlicht am 31. März 2008

Wenn man heute vom alliierten Bombenterror spricht, denkt man an die zerstörten deutschen Großstädte wie z. B. Dresden, Magdeburg, Hamburg oder Berlin. Damals als sich das Ende des deutschen Reiches bereits deutlich abzeichnete, wurden noch ganze Städte in Schutt und Asche gelegt.Tausende Menschen fanden den Tod.

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass auch in unserer Region Städte Opfer dieser gezielten Bombenangriffe wurden. So wurde auch die Stadt Zerbst (heute ca. 15.000 Einwohner), gelegen etwa auf halber Strecke zwischen Magdeburg und Dessau, nicht einmal einen Monat vor der deutschen Kapitulation schwer getroffen.

Noch im Deutschen Heimatführer, herausgegeben im Jahre 1935 vom Landesfremdenverkehrsverband Mitteldeutschland, wird Zerbst aufgrund der Vielzahl von vorhandenen Befestigungsmauern, Türmen und Kirchen mit Rotenburg ob der Tauber verglichen. Dieser Charme wurde in nur wenigen Minuten durch allierte Bomben gänzlich ausgelöscht. Uns, als nationale Kräfte aus Zerbst, liegt daher daran diese für unsere Heimatstadt so prägsamen Ereignisse in diesem schicksalhaften Frühjahr 1945 auch zukünftig in Erinnerung zu behalten.

Am 11.April 1945 erreichten die amerikanischen Streitkräfte, von Westen her vorrückend, die Elbe bei Barby. Von dort setzten sie einen Brückenschlag und erreichten das ostseitige Ufer. Hier lieferten sich Wehrmachtseinheiten noch erbitterte Gefechte. Der “Division Scharnhorst” gelang es den Feind, durch aufopferungsvollen Einsatz, wieder auf das andere Ufer zurück zu drängen. Dies war jedoch nur von kurzer Dauer. Die Amerikaner waren einfach zu überlegen an Mensch und Material.

In den Dörfern und Wäldern westlich von Zerbst, wo auch vereinzelte deutsche Panzer standen, gab es trotzdem noch heftige Gefechte. Hierbei muss angemerkt werden, dass es zu heute kaum noch beachteten kriegsverbrecherischen Aktivitäten amerikanischer Soldaten kam. So wurden beispielsweise im Dörfchen Hohenlepte deutsche Frauen vergewaltigt, ermordet und wie Müll weggeworfen. In der Nähe von Walternienburg wurden mehrere Wehrmachtssoldaten durch Genickschuss von den “”Befreiern”” getötet.
Eine Todesursache die im direkten Kampfgeschehen unmöglich ist und auf eine Gefangenenerschießung hindeutet.

In Zerbst selber war zu dieser Zeit das Chaos perfekt. Dort waren viele Menschen aus den zerbombten Großstädten untergebracht. So unter anderem auch aus dem Rheinland, Berlin, Magdeburg und Dessau. Hinzu kamen noch die ersten ankommenden ausgemergelten Flüchtlinge aus den Ostgebieten sowie ca. 2.000 verwundete Soldaten und Kriegsgefangene verschiedener Nationalitäten. Die Stadt, in der sich etwa 400 schlecht ausgerüstete Soldaten befanden, bereitete sich nur mit mäßigem Eifer auf eine Verteidigung vor. Von den inzwischen vor der Stadt stehenden Amerikanern wurde dann am 13.04.1945 ein Parlamentär in die Stadt gesandt um die Übergabe zu fordern. Der deutsche Kommandant, der Bürgermeister und andere Amtspersonen berieten sich daraufhin bis tief in die Nacht. Am nächsten Morgen schickte man einen Unterhändler für weitere Verhandlungen zu den Amerikanern, dieser kam dort jedoch nie an. Was mit ihm passierte ist bis zum heutigen Tage ungeklärt. Über weitere Parlamentärentsendungen von beiden Seiten gibt es die unterschiedlichsten Aussagen. Fakt ist aber, dass es zu keinen Verhandlungen kam. Die Angaben sind heute so verschiedentlich vorhanden, dass es fast unmöglich scheint die Ereignisse in dem damaligen heillosen Durcheinander jemals völlig aufzuklären.

Die Amerikaner ließen jedoch nicht lange auf sich warten und begannen bereits am 14.04.1945 mit Artilleriebeschuss. Welcher zur Folge hatte, dass etliche Einwohner in umliegende Gebiete flohen. Die Verwundeten wurden evakuiert und fast alle verbliebenen Soldaten wurden Richtung Berlin abgezogen. Am darauf folgenden Tag, den 15.04.1945, war alles ruhig.
Im Nachhinein betrachtet, könnte man den 15.04.1945 wohl als die sogenannte Ruhe vor dem Sturm” bezeichnen, denn am nächsten Tag wurde Zerbst endgültig sturmreif geschossen. Die ersten Bomben fielen um 10.20 Uhr. Der gesamte Angriff dauerte alles in allem nicht länger als 40 Minuten. In dieser Zeit entluden etwa 100 Bomber ihre Spreng- und Brandbomben über der Stadt. Für die ausharrenden Menschen muss es furchtbar gewesen sein. Schon
allein wenn man bedenkt, dass die Brände noch ganze 4 Tage lang wüteten. Gerade einmal 40 Minuten reichten aus um nahezu die gesamte historische Innenstadt vollständig zu zerstören. 574 Volksgenossen fanden den Tod, dabei wurden Unbekannte und nicht mehr identifizierbare Leichen nicht mitgezählt.

In den darauf folgenden Tagen ließen es sich die Amerikaner nicht nehmen noch weiter zu beschießen. Dies geschah dann noch bis zum 24.04.1945. Erst am 28.04.1945 unterschrieb der Zerbster Bürgermeister die Kapitulation seiner in Trümmern liegenden Stadt. Als am gleichen Tage die “Befreier”” einrückten wurden sie weder bejubelt noch mit wehenden Fahnen gefeiert.

Im Mai wurde die Stadt planmäßig an die Russen übergeben und der Stadtkern von den Zerbstern, unter überwiegender Beteiligung der legendären Trümmerfrauen, beräumt und nach und nach im sozialistisch-stalinistischen Baustil wieder errichtet. Von den russischen Besatzern war hier keine Hilfe zu erwarten. Diese waren derzeit damit beschäftigt verbliebene brauchbare Anlagen demontieren zu lassen und in die Sowjetunion zu bringen.

Was bleibt ist nur die Erinnerung an diese Ereignisse, dass Andenken an die vielen Toten und das “alte Zerbst”. Von dem leider nicht viel mehr übrig ist als einige alte Fotos, Postkarten und Erzählungen unserer Großeltern.

Diesen Beitrag inhaltlich ergänzen 

Als inhaltliche Ergänzungen werden nur objektive Fakten, die den eigentlichen Bericht durch neue Informationen ergänzen, zugelassen. Subjektive Meinungen gehören stattdessen in das Diskussionsforum und werden hier nicht freigeschaltet. Ziel einer Ergänzung sollte es sein, dem Leser möglichst viele Fakten zum Thema zur Verfügung zu stellen.