Vor Entscheidung über Afghanistan: Zunehmender US-Druck auf Berlin
Veröffentlicht am 28. März 2008
Anfang April kommen die Staats- und Regierungschefs der NATO zum Gipfel in Bukarest zusammen. US-Verteidigungsminister Gates und Gehilfen werfen den Deutschen Feigheit vor, weil sie bei der verlangten Entsendung von Kampftruppen in den weitgehend von Aufständischen beherrschten Süden des Landes zögern. Präsidentschaftskandidat McCain, ganz und gar auf dem Kriegskurs von Bush, macht der Bundesrepublik den Vorwurf, sie wolle sich nicht an der „Drecksarbeit“ in Afghanistan beteiligen.
Seitdem Merkel die Berliner Regierung leitet, werden selbst die abwegigsten Forderungen Washingtons in deutsche Anliegen umgemünzt und alsbald erfüllt. So hieß es beispielsweise, der Einsatz von Tornados diene ja nur der Aufklärung. Dabei wird unterschlagen, dass Ziel dieser Aufklärung mörderische Vernichtungsschläge gegen die Partisanen sind, die diese Kampfhandlungen umgehend beantworten.
Wir sind nicht die Herren der Menschheit
Nahezu 90 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung lehnen generell Kampfeinsätze in Afghanistan entschieden ab. Was ist der wahre Sinn solcher Aggressionen?
1. Es geht um die Einkreisung und Einschüchterung sowohl Chinas wie Russlands und des Iran. Die Sympathien der Dritten Welt für das deutsche Volk werden also nicht gefördert, wenn die Bundeswehr Tausende Kilometer von Mitteleuropa entfernt in Afghanistan dem US-Kolonialismus dient.
2. Es heißt, die Menschenrechte und speziell die Frauenrechte seien unter der Herrschaft der Taliban nicht hinreichend verwirklicht. Sind wir eigentlich der liebe Gott, der bestimmt, wie fremde Kulturen ausgestaltet werden müssen? Haben wir irgend ein Recht zu entscheiden, dass asiatische Muslime nach unserer und nicht nach ihrer Fasson ihr Leben ausrichten?
3. Es liegen unmissverständliche Erfahrungen vor, wie es Invasionsarmeen in Afghanistan ergeht: Die weit stärkeren britischen Kolonialtruppen wurden vernichtet und der Roten Armee blieb nur die Flucht. Nach Voraussagen von Experten hat die Bundeswehr in Afghanistan keine Chance.
Die Lehren der Geschichte
4. Wenn aber am Ende ähnliche massenmörderische Vernichtungswaffen angewandt werden, wie sie in Indochina Millionen dahinrafften oder in Hiroshima und Nagasaki Hunderttausenden den Tod brachten, kann es keinen Grund geben, warum ausgerechnet Deutschland sich durch Teilnahme an einem solchen Genozid belastet.
5. Das Weltherrschaftsstreben der Vereinigten Staaten von Amerika ist eine Geißel der Menschheit, die freilich durch das Aufkommen neuer Weltmächte ihre Kraft verliert. Warum also sollen deutsche Soldaten sich an solchen Abscheulichkeiten beteiligen?
6. Am Vorabend beider Weltkriege stand eine systematische Einkreisungspolitik, die sich heute erkennbar gegenüber China und Russland wiederholt. Allerdings sind nahezu 1,5 Milliarden Chinesen kaum ausrottbar. Aber 90 Millionen Deutsche könnten im Dritten Weltkrieg untergehen, wenn wir nicht auf klare Distanz zum US-Weltherrschaftsstreben gehen, uns jeder Parteilichkeit enthalten und in Neutralität Freundschaft zu allen Völkern suchen.






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