Die Mittelschicht ist in Deutschland rapide geschrumpft – Immer mehr Deutsche rutschen von der Mittelschicht in die Armut ab
Veröffentlicht am 23. März 2008
Die Mittelschicht ist in Deutschland einer Studie zufolge in den vergangenen Jahren rapide geschrumpft. Gehörten im Jahr 2000 noch 62 Prozent der Deutschen zur Gruppe der Durchschnittsverdiener, so waren es 2006 nur noch 54 Prozent, wie aus einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht. Zugleich ist in den vergangenen Jahren das Risiko bedrohlich gestiegen, von der Mittelschicht in die unteren Einkommensschichten abzurutschen.
In den 80er Jahren hat entsprechend der DIW-Studie die Mittelschicht in Westdeutschland stabil etwa 64 Prozent der Bevölkerung umfasst. Nach der Wiedervereinigung hätten im Jahr 1992 immer noch rund 62 Prozent aller Deutschen in West und Ost zur Mittelschicht gezählt. Bis zum Jahr 2006 sei der Wert aber auf 54 Prozent gesunken. Parallel dazu seien die Einkommen der Deutschen bis zur Jahrtausendwende nur sehr gering gestiegen und seit dem Jahr 2000 sogar gefallen. Der Studie zufolge wuchs vor allem die Gruppe der Geringverdiener in den letzten Jahren stark an. Besonders stark ist diese Entwicklung seit 2000, seit die Regierung mit ihren „Reformen“ die Bürger immer mehr belastete. Verschärft wurde der Trend, weil durch die Hartz-Reformen viele Arbeitslose zu Hungerlohnbeschäftigungen gezwungen wurden. Mittlerweile arbeiten schon 22 Prozent der Deutschen für einen Hungerlohn. Das ist sogar Rekord in Europa! Laut der Studie sind vor allem Familien mit minderjährigen Kindern immer stärker davon bedroht, von der Mittelschicht in die Armut abzurutschen. Und wer sich heute noch zur Mittelschicht zählen darf, der darf sich aber keinesfalls in Sicherheit wiegen: Der gesellschaftliche Abstieg geht so schnell wie nie zuvor. Und: wer erst einmal unten angekommen ist, hat heute kaum noch eine Chance, wieder aufzusteigen: „Während zwischen 1996 und 2000 nur rund 54 Prozent aller armutsgefährdeten Personen auch nach fünf Jahren noch in dieser Einkommensschicht waren, lag die Beharrungsquote für den Zeitraum 2002 und 2006 bei mehr als 66 Prozent“, heißt es im Wochenbericht des DIW, in dem die Studie vorgestellt wurde. Auch für Selbstständige ist die Wahrscheinlichkeit um mehr als 3 Prozent gestiegen, in die untere Randgruppe abzurutschen. Die Gründe für diese Entwicklungen sind zahlreich: die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden, war in den letzten Jahren höher als je zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Auch die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit war in dem untersuchten Zeitraum sehr lange, während gleichzeitig das Einkommen von Arbeitslosen nach der Einführung des ALG II massiv abnahm. Ein weiterer wichtiger Grund für das derzeitige Auseinanderdriften der Bevölkerungsschichten ist schlicht und ergreifend die Veränderung der Erwerbstätigkeit. Im Jahr 2000 gingen noch 64 Prozent einer Vollzeitbeschäftigung nach, im Jahr 2006 waren es nur noch 55 Prozent. Immer mehr Menschen bestreiten somit ihr tägliches Leben mit den Einkünften aus Teilzeitarbeit oder gar Beschäftigungen im Geringverdienerbereich. Eine neue Studie der Universität Duisburg-Essen bestätigt außerdem, daß Niedriglohnverdiener nur selten den wirtschaftlichen Aufstieg zurück zur Mittelschicht schaffen – über zwei Drittel, 68,8 Prozent, bleiben im Niedriglohnbereich hängen; 14 Prozent sind innerhalb eines Jahres sogar wieder arbeitslos. Wer also einmal in der Armutsfalle gelandet ist, kommt diesen Informationen zufolge immer schwerer wieder aus ihr heraus. Außerdem machen sich die Deutschen immer mehr Sorgen um die eigene wirtschaftliche Sicherheit: „Der Anteil der Menschen, die sich „keine Sorgen“ machen, lag in den 80er Jahren noch über 40 Prozent, in den 90er Jahren in Gesamtdeutschland bei rund 30 Prozent und seit dem angeblichem „Aufschwung“ nur noch bei rund 23 Prozent“, erklärt der Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zu diesem Thema. Besonders unter den Ärmsten greift die Angst um sich – der Anteil derjenigen, die sich „große Sorgen“ machen, liegt in der unteren Einkommensgruppe bei 45 Prozent. Experten beobachteten schon seit Jahren eine starke Diskrepanz zwischen den verschiedenen Schichten in unserem Land, jetzt aber ist diese Entwicklung schwarz auf weiß nachzulesen und kann nicht mehr geleugnet werden – weder von den Politikern, noch von den Topverdienern.






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