Ein Volk, eine Nation: 70 Jahre Wiedervereinigung
Veröffentlicht am 20. März 2008
Schreckliche-Deutsche-Geschichte-Aufarbeitungs-Meisterstücke. Ahnungslos war ich beim Herumschalten nach der Spielübertragung Dortmund-Jena hineingeraten und dachte mir, ein bisschen Komödie kann nach dem Trauerspiel ja nicht schaden und blieb dabei. Thema diesmal: Die gewalttätige Einverleibung Österreichs in das nationalsozialistische Deutsche Reich vom 13. März 1938, also vor ziemlich genau 70 Jahren.
Der Anschluss, der begeistert von der ostmärkischen Bevölkerung aufgenommen worden war, wurde also durch Gewalt erzwungen. Das Abstimmungsergebnis vom 10. April 1938 wurde demnach sicher genauso gefälscht, wie die Tatsache, dass die „Österreicher” in den Alpen-Donau-Gauen ab 1938 prozentual mehr Partei-Mitglieder stellten als jeder andere Gau im „Altreich”. Alles Nazi-Fälschung. Die begeisterten Volksmassen auf dem Wiener Heldenplatz sicher ebenso gekauft und nicht zu verwechseln mit heutigen Berufsgegendemonstranten von diversen Linksbündnissen, die mit Bratwurst und Bier gelockt werden müssen. Sicher? Na dann schauen wir uns das einmal ein wenig genauer an.
Ein deutscher „Stamm” und das Deutsche Reich ringen sich zur Wiedervereinigung. Beide Seiten sind mehrheitlich begeistert und begrüßen das Vorgehen widerspruchslos. Die Anwendung von Waffengewalt damit logischerweise mitnichten nötig oder gar real existent. Dennoch wird daraus heute die „gewaltsame Übernahme eines Volkes von einem anderen Volk”.
Seit wann waren deutschen Ostmarkbewohner ein eigenes Volk und die Deutschen nördlich der Alpen wiederum ein ganz anderes Volk?
Ein Volk begründet sich im Groben auf gemeinsame Werte, Kultur, Geschichte, Abstammung und die gemeinsame Sprache.
Das Deutsche Volk besteht aus mehreren Stämmen. Einer von ihnen ist der Österreichische. Nichts anders also als Bayern, Sachsen, Thüringer oder Friesen. Jeder dieser Stämme hat eigene Ausprägungen wie Dialekte oder kulturelle Bräuche. Deutsche sind sie allesamt.
Nun sollte dieser deutsch-österreichische Staat von einem ihm „fremden” übernommen worden sein? Offensichtlich falsch.
Bedenkt man insbesondere, dass von der Gründung Deutsch- Österreichs im Jahre 1918 bis 1933 alle österreichischen Parteien (Ausnahme: KPÖ) für eine Wiedervereinigung der Republik Österreich mit dem Reich eintraten. Dies änderte sich erst unter der Ära der Austrofaschisten bis 1938, die den Staatsfetisch eines Mussolini über den völkischen Gedanken stellen wollten und diesen Staatspatriotismus künstlich in Österreich erzwangen.
Man stelle sich – zugegebenermaßen äußerst utopisch – vor, die UNO kommt 2009 auf die Idee, Sachsen zum autonomen UN-Mandatsgebiet zu machen. Mit eigener Staatsstruktur und eigener Staatsbürgerschaft. 2029, also 20 Jahre später, hat sich die politische Lage geändert. Sachsen und die BRD feiern Wiedervereinigung. Wiederrum etliche Jahre später wird dies zur „feindlichen Übernahme” deklariert. Absurde Vorstellung, oder? Dennoch ein passender Vergleich, der diesem Kuriosum der europäischen Geschichte die zutreffend-lächerliche Note verleiht.
Doch die Sendung hatte noch einen Joker für die wenigen Bundesbürger, die das Gesehene und Gehörte vielleicht doch hinterfragten. Ein Fussballspiel!
Admira Wien wurde nämlich 1938 Gaumeister und war damit berechtigt, in der gesamtdeutschen Endrunde um die Meisterschaft mitzuspielen. Finalgegner: Schalke 04. Endstand war 0:9, der Schiedsrichter soll menschliche Schwächen gezeigt haben, sprich; er soll Fehlentscheidungen zu Lasten von Admira Wien getroffen haben. Ein Phänonem, dass bis heute jedes Wochenende auf jedem Fussballplatz vorkommt. Dieses Spiel mit ihren hochkochenden Emotionen und die Wut der Wiener Anhänger in der Folgezeit, münzen die Macher der “historischen Dokumentation” nun dazu um, einen tiefsitzenden, imaginären Hass der ostmärkischen Bevölkerung auf das deutsche Volk herbeizureden. Passenderweise hat man einen Zeitzeugen parad, den man im Verlauf der Sendung gleich zweimal interviewen kann. Einmal als „katholischen Widerstandskämpfer”. Und beim zweiten Mal wenige Minuten später war dieser doch zufällig als Anhänger im Stadion in Schalke. Unglaublich!
Demnach wären die Erzgebirgler aus der Kleinstadt Aue also keine „echten” Deutschen, weil sie einen tiefsitzenden Hass auf die westsächsischen Stadtvereine Chemnitzer FC / FC Karl-Marx-Stadt und die BSG Sachsenring Zwickau haben und die Zugehörigkeit des sächsischen Erzgebirges zu Deutschland wäre eine unverfrorene Annexion? Die Bundeswehr in Marienberg Besatzungstruppe?
Lächerlich, natürlich. Genau wie jedwedes Gerede über die verschiedenen Völker aus Österreich und Deutschland.




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