“Erschossen in Moskau…” - Die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Moskauer Friedhof Donskoje 1950 - 1953
Veröffentlicht am 21. Februar 2008
Eine ungewöhnliche Ausstellung in Chemnitz. Am 24. Januar diesen Jahres eröffnete die Kulturbürgermeisterin der Stadt Chemnitz Heidemarie Lüth (DIE LINKE), eine kleine aber ungeheuer bedeutsame Ausstellung im Chemnitzer Neuen Rathaus. Diese Ausstellung widmet sich erstmals den knapp 1000 Einzelschicksalen deutscher Bürger, die zwischen 1951 und 1953 hauptsächlich wegen Spionageverdacht durch den russischen Geheimdienst zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden.
Sinnlose Opfer
Im Zuge der Öffnung vieler russischer Archive, kommen nach und nach unglaubliche Details ans Tageslicht. Die 927 in Moskau erschossenen, unter ihnen 60 Frauen und 288 Jugendliche, kamen aus allen Schichten, waren Angehörige aller Parteien, Landwirte, Bauern, Schüler, Polizisten Pfarrer, politische und unpolitische Bürger.
Das Vorgehen war immer gleich: all zu oft wurden die „Feinde” von Mitarbeitern des russischen Geheimdienst in ihren Wohnungen, am Arbeitsplatz oder auf offener Straße verhaftet, nach Russland verschleppt und dort postwendend vom höchsten Militärgericht zum sehr langen Haftstraßen oder zum Tode verurteilt. Nur in wenigen Fällen wurde Gnadengesuchen stattgegeben und die Todesstrafe in 25 Jahre Arbeitslager umgewandelt.
Zum Gedenken an die deutschen Opfer wurde im Jahre 2005 auf dem Friedhof Donskoje ein Gedenkstein eingeweiht.
Ungeliebte Ausstellung
Trotz der hohen Wichtigkeit wird diese Ausstellung von der Stadt Chemnitz kaum bis gar nicht umworben. Zwar wurden eine Vielzahl von Faltblättern gedruckt, diese aber kaum verteilt sondern fast ausschließlich im (!) Ausstellungsraum ausgelegt. Nur wer intensiv sucht, wird unter anderem im Rathaus selbst fündig.
Alle vorhergehenden Ausstellungen im selben Ausstellungsraum des Rathauses wurden wesentlich intensiver umworben. Es gab Aufsteller und Plakate, zahlreiche Hinweise in Zeitungen und an öffentlichen Plätzen – nicht so in diesem Fall. Dem Eindruck, man hätte die Schau doch lieber in einem verschlossenen Keller- oder Dachkämmerlein des Rathauses platziert, ist sich kaum zu erwehren.
Wie genau die Schau überhaupt nach Chemnitz kam, ist indes völlig offen. Linke-Bürgermeisterin Lüth jedenfalls merkte man ihren Unwillen zur Eröffnung spürbar an. Angespannt verließ sie dann auch zusammen mit Herrn Dr. Rohr, seines Zeichens Chef des Kulturkaufhauses dasTietz und politisch ähnlich deutlich zu verorten wie Fr. Lüth, an deren Ende eiligst die Veranstaltung. Wahrscheinlich hätte man wohl lieber den unzähligen Ausstellungen zur Erinnerung an “einmalige und untilgbare deutsche Schuld” eine weitere hinzugefügt, als hier einmal vor der eigenen Tür kehren zu müssen…
Die Ausstellung kann noch bis zum 05. März besucht werden und ist Montag, Dienstag und Donnerstag von 8 bis 19 Uhr, Mittwoch und Freitag von 8 bis 16 Uhr und Sonnabends von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Eintritt frei.
Weiterhin erschien auch eine interessante Publikation mit demselben Titel, welche beim Metropol Verlag in Berlin bestellt werden kann (ISBN: 3-938690-14-3).
Die Namen der in Moskau erschossenen Chemnitzer:
Franke, Karl (geb. 11.03.1913 in Chemnitz; hingerichtet 24.09.1951 in Moskau)
Köhler, Charlotte (geb. 23.12.1907 in Chemnitz; hingerichtet 10.04.1951 in Moskau)
Kreysig, Wolfgang (geb. 23.06.1926 in Chemnitz; hingerichtet 26.03.1952 in Moskau)
Linse, Walther (geb. 23.08.1903 in Chemnitz; hingerichtet 15.12.1953 in Moskau)
Melzer, Fritz (geb. 13.03.1920 in Chemnitz; hingerichtet 04.11.1952 in Moskau)
Michel, Wolfgang (geb. 15.04.1931 in Chemnitz; hingerichtet 06.08.1952 in Moskau)
Seiler, Heinz (geb. 13.12.1912 in Chemnitz; hingerichtet 31.12.1951 in Moskau)
Sippel, Robert (geb. 09.01.1914 in Chemnitz; hingerichtet 19.11.1952 in Moskau)
Türk, Wolfgang (geb. 08.08.1928 in Chemnitz; hingerichtet 28.05.1952 in Moskau)
Müller, Felix (geb. 01.05.1917 in Pappendorf/Sa; hingerichtet 12.02.1951 in Moskau)
Storck, Karl (geb. 08.05.1904 in Frankfurt a.M.; hingerichtet 06.08.1952 in Moskau)





