Afghanistan: Das ist nicht unser Krieg!

Veröffentlicht am 10. Februar 2008

Die Meldung von „Spiegel Online“ schlug am 9. Februar 2008 sicher ein wie eine Bombe, als gemeldet wurde, daß die Truppenstärke der Bundeswehr in Afghanistan von 3500 auf bis zu 4500 Soldaten erhöht, das Einsatzgebiet im Norden nach Westen ausgedehnt und die Verlängerung des Mandats um 15 bis 18 Monate auf Juni vorgezogen werden soll. Zwar beeilten sich Kriegsminister Franz Josef Jung (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), diese Meldung zu dementieren, aber ein klares Nein war ihnen auch nicht zu entlocken. Lediglich die Aussage, daß man im Oktober über ein neues Afghanistan-Mandat zu befinden habe, und daß man natürlich noch nicht weiß, wie dann entschieden werde. Jedenfalls meinte Steinmeier, er werde natürlich nicht ausschließen, daß in Zukunft eventuell die Zahl der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan erhöht werde. Und Kriegsminister Jung sagte noch auf der Münchner Sicherheitskonferenz: “Ich bitte Sie um Verständnis, daß ich über zukünftige Mandate keine Ausführungen mache.”

Es ist daher durchaus anzunehmen, daß es schon Planungen dafür gibt und möglicherweise durch eine gezielte Indiskretion die Reaktion der Öffentlichkeit getestet werden sollte. Zumindest steht wohl eine Mandatsverlängerung ins Haus, mit der Absicht, den Militäreinsatz in Afghanistan, den die veröffentlichte Meinung nicht als Krieg bezeichnet, obwohl er einer ist, aus dem bevorstehenden Bundestagswahlkampf herauszuhalten. Schon nannte Unions-Bundestagsfraktionschef Volker Kauder am 10. Februar 2008 in der “Welt am Sonntag” eine mögliche Frist bis ins Frühjahr 2010 für die Dauer des Mandats.

Nun werden die feinen Damen und Herren des Bundestags, die nie da sind, wo es nach Pulver, Blut und Tod riecht, sicher wieder darüber debattieren , wie notwendig es ist, Afghanistan bei der Demokratisierung und Durchsetzung der Menschenrechte zu helfen. Dabei wissen sie nur zu genau, daß dieser Krieg der Amerikaner ganz anderen Interessen geschuldet und auch mit ein paar tausend Soldaten mehr nicht zu gewinnen ist.
Das haben schon die Russen gemerkt, die mit ihrer gesamten Militärmaschinerie und wesentlich mehr Brutalität nichts ausrichten konnten. Und das merken jetzt auch die Yankee-Boys, die einsehen müssen, daß man zwar in dicht besiedelten Stadtlandschaften aus sicherer Entfernung mit Bombenteppichen große Verwüstungen anrichten kann, ein richtiger Krieg aber letztlich nur im Bodenkampf gewonnen wird. Angesichts der Tatsache, daß den USA und ihren Hilfstruppen nur etwa die Hälfte der Soldaten zur Verfügung steht wie seinerzeit den Russen, ist die Nervosität verständlich.

Wenn Meldungen stimmen, die mittlerweile im Internet kursieren, daß die Verluste der USA-Amerikaner in den beiden Irakkriegen und in Afghanistan um ein Vielfaches höher als die offiziellen Zahlen liegen, nämlich bei deutlicht mehr als 60.000 Toten, dann könnte natürlich auch dies ein Grund für den erhöhten Druck der USA auf ihre Vasallen sein, neues Kanonenfutter nachzuschieben. Denn auch in den USA wird gewählt, und da ist es natürlich besser, wenn man ohne Rücksicht auf die Verluste anderer Krieg führen kann.

Darüber hinaus ist zu befürchten, daß im Weißen Haus ein Wahnsinniger durch den nächsten abgelöst werden könnte. In diesem Zusammenhang verwundert es nicht, daß der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain ebenfalls zusätzliche deutsche Truppen für Afghanistan forderte: “Wir brauchen mehr Deutsche in Afghanistan”, dort stehe die Stabilität einer ganzen Region auf dem Spiel, erklärte McCain in einem Spiegel-Interview. Nachdem übrigens erst die Amerikaner mit ihrem Überfall auf den Irak für das Chaos in der Region sorgten. Und dann sagte McCain noch: “Ich habe die Absicht, diesen Krieg zu gewinnen.“
Es liegt auf der Hand, daß dafür über einen sehr langen Zeitraum immer mehr Soldaten der sogenannten Verbündeten in die Wüste geschickt werden müssen.

Wie man an McCains Äußerung sieht, geht es also gar nicht darum, daß deutsche Soldaten für Demokratie und Freiheit kämpfen sollen, sondern ganz objektiv für die Imperialpolitik der US-Amerikaner und deren Größenwahn.
Und es geht auch nicht darum, daß sich mit dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan die Sicherheit in der BRD erhöhte, wenn der Terrorismus weitab bekämpft würde.
Im Gegenteil gibt es seither immer neue Terrorwarnungen für die Heimat, je größer das militärische Engagement der BRD im Ausland wird. Man provoziert damit geradezu Terroraktionen in Deutschland. Und es ist sicher nur noch eine Frage der Zeit, bis es uns erwischt.

Gerade weil es eben nicht um ehrenwerte Ziele in Afghanistan geht, sondern darum über einen womöglich sehr langen Zeitraum als verhaßte Besatzungsmacht für eine verbrecherische Politik der Amerikaner zu bluten, ist es an der Zeit, nein zu sagen.
Sollen die Amerikaner ruhig selbst die Suppe auslöffeln, die sie sich eingebrockt haben. Dies ist nicht unser Krieg - holt unsere Söhne nach Hause! Das wäre das richtige Zeichen zur rechten Zeit.

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