Trauermarsch für die Opfer des alliierten Bombenterros auf Dresden, am 13. Februar 1945
Veröffentlicht am 29. Januar 2008
Zum 62sten Mal jährt sich nun der Tag der Zerstörung Dresdens. Die meisten Zeitzeugen sind nach dieser großen Zeitspanne schon verstorben und mit der Erinnerung dieser Zeugen stirbt auch das Wissen über die, auf Fakten beruhende, Wahrheit um das Geschehene. Politiker und Medien verschweigen und verfälschen die Geschehnisse dieser Tage und nicht selten wird den Opfern von Dresden selbst die Schuld an ihrem Schicksal zugesprochen.
Dies wäre z.B. in Japan undenkbar. Den Opfern der Atombombenabwürfe auf Hiroschima und Nagasaki wird jährlich, in Würde und ehrenvollem Andenken, die Ehrerbietung erbracht.
In der BRD ist Opfergedenken lediglich die Sache von Kommunalpolitikern, landesweites Gedenken an die Zerstörung der Stadt Dresden, welche symbolisch für die Bombardierung aller deutschen Städte steht, wird nicht für notwendig erachtet. Wenn man diesen Umstand einmal genauer betrachtet, wir folgendes klar: Sachsens Metropole wurde von britischen und amerikanischen Bombern zerstört, den Siegern des II Weltkrieges, von Nationen also, denen sich die Vasallen aus den Reihen der BRD-Politiker verpflichtet fühlen.
Aus diesem Grund gibt es bis heute keine Sühne für alliierte Kriegsverbrechen. Im Gegenteil! So konnte es im Jahr 1992 geschehen, daß dem Organisator des Massenmordes, Arthur Harris, in London ein Denkmal gesetzt wurde, welches sogar von der “Queen” enthüllt wurde. Protestnoten der bundesdeutschen Regierung, oder Mahnrufe “gegen das Vergessen” konnte man hinsichtlich der Ehrung dieses Massenmörders nicht vernehmen. Da die Politik, wenn überhaupt, nur halbherzig der Verbrechen alliierter Kriegsverbrecher gedenkt, ist das Volk selbst aufgerufen, an Tagen wie dem 13 Februar, der eigenen Opfer zu gedenken.
Trotz Behinderung und Stigmatisierung der Trauernden, finden sich jährlich tausende Gäste aus aller Welt in Dresden ein. Menschen die sich verbunden fühlen mit den Opfern des furchtbaren Massenmordes, Menschen die sich bewußt erinnern wollen an den 13. Februar 1945.
Drehen wir das Rad der Zeit zurück, in jene Nacht des Verbrechens:
Zuerst einmal ist zu bedenken, wieviel Vorbereitungsarbeit für so eine ausgeklügelte Vernichtungsaktion erforderlich ist. Da starten nicht eben in England ein paar Flugzeuge, fliegen nach Dresden, öffnen ihre Bombenschächte und das war es dann. Nein! Arthur Harris hatte Dresden schon lange auf seiner Liste und plante einen Doppelschlag im dreistündigem Abstand. Er wußte, daß die Stadt, welche vor dem Krieg noch 650.000 Einwohner hatte, bis zum bersten gefüllt war mit Flüchtlingen aus dem Osten des Reiches. Die Rote Armee stand nur 130 km von den Toren der Stadt entfernt. 1000 Reichsarbeitsdienstmädchen waren seit dem 26. Januar im Einsatz, um die überfüllten Flüchtlingszüge aus Ostdeutschland abzufertigen. Trotz allem funktionierte das Leben in dieser Märchenstadt, mit ihren Türmen und gepflasterten Straßen, in der man an Schaufenstern vorbeibummeln konnte und über die in den Abendstunden nicht die Finsternis der Verdunkelung hereinbrach. Auch abends waren die Straßen der Stadt voll von Menschen, die aus dem Zirkus, der Oper oder den vielen Kinos kamen.
Wie ein Schock muß es auf die Zivilisten gewirkt haben, welche schon einmal einen Luftangriff miterlebten, als um 22 Uhr der Masterbomber über der Stadt eintraf und zu kreisen begannen, um die Markierungsbomber einzuweisen. Die grellroten Markierer brannten nun dicht um das Stadion verteilt, in einer Menge, daß sie nicht mehr hätten gelöscht werden können.
Das Drama war nunmehr unabwendbar.
Um 22:09 Uhr wurden die Dresdner das erste mal über die Bedrohung informiert. Während die leichten “Mosquitos” schon über der Stadt hin und her rasten, ertönte die Ansage über die Rundfunkempfänger: “Achtung! Achtung! Die Spitzen der großen feindlichen Bomberverbände haben ihren Kurs geändert und befinden sich jetzt im Anflug auf das Stadtgebiet…” Einen Kilometer über der ruhenden Stadt wiederholte der Masterbomber immer wieder über UKW-Sprechfunk: “Masterbomber an `Plate-rack`-Verband: Beginnen Sie mit dem Angriff und bombardieren Sie das rote Licht der Zielmarkierer nach Plan. Bombardieren Sie das rote Licht der Zielmarkierer nach Plan.”
Es war genau zehneinhalb Minuten nach 22 Uhr, als der Hauptmarkierer und die Markierer Drei, Vier, Fünf, Sechs, Sieben und Acht zurückflogen. Noch immer war kein einziges Mündungsfeuer zu sehen und dem Masterbomber wurde klar, das Dresden ohne Flak-Abwehr war. Er konnte die schweren viermotorigen Lancaster-Bomber ohne Risiko aus geringer Höhe bombardieren lassen.
Um 22:13 Uhr fielen die ersten viertausend und achttausend Pfund-Sprengbomben, welche die Fenster eindrückten und die Dächer der leicht brennbaren, zum Teil jahrhundertealten Häuser abdecken sollten. Nacheinander flogen die Lancaster-Staffeln den Markierungspunkt auf dem Stadion an. Jede auf einem anderen Kurs, einige genau nach Süden, andere wiederum nach Osten. Der ganze viertelkreisförmige Abschnitt war ein Meer von flackernden Einzelbränden, und hier und da wurden die Dächer der Stadt vom Aufblitzen der großen Sprengbomben den “Wohnblockknackern” erhellt, die die Häuser zertrümmerten.
Um 22:30 Uhr befand sich der gesammte erste Angriffsverband von Dresden auf dem Rückflug. Wer jetzt die Innenstadt verließ würde mit dem Leben davonkommen. In der Regel war jedoch genau das Gegenteil der Fall. Aus ganz Sachsen setzten sich die Löschtrupps nach Dresden in Marsch. Während die Löscharbeiten in vollem Gange waren, war schon die nächste Bomberarmada im Anflug und sollte Dresden um 1:30 Uhr erreichen.
1:28 Uhr traf der Masterbomber des zweiten Angriffs ein und sah, daß den im Stadtzentrum tobenden Feuersturm, welcher es ihm unmöglich machte den Zielpunkt zu identifizieren. Nach Beratung mit seinem Stellvertreter entschieden sie sich der Staffelführer, die Bombenabwürfe auf anliegende, verschont gebliebene Gebiete zu konzentrieren, um eine Ausdehnung des Brandes zu erreichen. Die Lancasters des Blindbeleuchterverbandes leuchteten inzwischen das ganze Gebiet mit ihren “Christbäumen” aus. Aus Sicht der Dresdnern gesehen, muß der Beginn dieses Großangriffs auf ihre Stadt erschütternd gewesen sein: Die Lichtertrauben der Zielmarkierer schimmerten fahl mit unerbittlicher Unabwendbarkeit über der, dem Untergang geweihten, Stadt. Eine Welle schwerer Bomber nach der anderen zog über sie hinweg und die Bomben heulten auf die bisher verschonten Gebiete herab. Dresdens Abwehr schwieg, und so kreisten viele Flugzeugbesatzungen mehrmals über der Stadt.
Der zweifelos letzte Bomber, welcher über Chemnitz einen Flaktreffer erhalten hatte und zehn Minuten später eintraf, erinnerte sich: ” Die von dem Feuerofen heraufsteigende Hitze war in meiner Kanzel zu spüren. Obwohl wir uns allein über der Stadt befanden, war unser Entsetzen so groß, daß wir viele Minuten über der Stadt kreisten”. In der Stadt selbst spielte sich nun das Drama des Feuersturms ab. Durch das Ineinanderfließen einer Vielzahl von Bränden, war die Luft so stark erhitzt, daß sie infolge ihres verringerten spezifischen Gewichtes einen gewaltigen Auftrieb erhielt, der in einem sehr starken Sog, die umliegenden Luftmengen in radialer Richtung auf das Brandzentrum führte. Jeder kann sich vorstellen was in dieser Nacht in Dresden geschehen ist. Alle die bis dahin nicht verbrannt oder erstickt waren und sich aus dem Brandzentrum retten konnten, sollten bald merken, daß ihr Martyrium noch immer kein Ende haben sollte.
Am 14. Februar um 12:12 Uhr fielen die ersten Bomben der dritten Angriffswelle auf die Stadt, die noch immer in Flammen stand. Elf Minuten lang heulten die Bomben durch die geschlossene Wolkendecke auf Dresdens Neustadt herunter. Als der amerikanische Angriff zu Ende ging, flogen 37 Jäger mit ihren Maschinen im Tiefflug über Dresden. Die Piloten suchten sogenannte ” Gelegenheitsziele” und hatten schnell erkannt, daß diese an den Elbufern zu finden waren, denn dort drängten sich die schutzsuchenden Verletzten und Überlebenden des Massakers. Ein Jäger flog so tief, daß er in einen Wagen raste und explodierte.
Der Angriff auf Dresden dauerte 14 Stunden und 10 Minuten. Unzählige Menschen fanden den Tod. Hauptsächlich Frauen, Kinder, Greise, Verwundete.
Die Stadt brannte sieben Tage und acht Nächte. Angesichts all dieser Tatsachen sollte sich jeder aufgefordert fühlen, zu den Trauerveranstaltungen nach Dresden zu fahren, um ein Zeichen wider das Vergessen zu setzen.
Bitte denkt daran, daß die Farbe der Trauer weder schwarz-weiß-rot noch schwarz-rot-gold sondern schwarz ist.



