Börsencrash: Die Chance für eine gerechtere Welt
Veröffentlicht am 22. Januar 2008
Nach dem lange vorhersehbaren Börsencrash vom 21.01.2008 wird vieles anders sein, und es bleibt zu hoffen, daß dieser Tag den Anfang vom gewiß langen Ende des Liberalkapitalismus markiert. Aber auch ein schneller Zusammenbruch des globalisierten Ausbeutersystems ist durchaus möglich. So schätzte die Investmentbank „Goldman Sachs“ bereits im Herbst vergangenen Jahres die möglichen Kreditausfälle auf 400 Milliarden Dollar, neuere Untersuchungen halten in den USA gar einen Vermögensverlust von bis zu sechs Billionen Dollar für möglich. Und das entspräche immerhin der halben jährlichen Wirtschaftsleistung USA, oder der doppelten der BRD.
Angesichts dieses Szenarios ist es sicher auch nur noch eine Frage der Zeit, wann eine der ersten US-Großbanken Konkurs anmelden muß. Einige von ihnen existieren überhaupt nur noch, weil Staatsfonds aus Arabien oder Asien sich bei ihnen im letzten Augenblick eingekauft haben, die gar nicht mehr wissen, wohin sie mit ihren Unmengen wertlosen Dollars sollen.
Vielleicht beginnt man jetzt, sich einmal verschärft darüber Gedanken zu machen, daß selbst eine liberalkapitalistische Marktwirtschaft auch ohne den legalisierten Börsenschwindel funktionieren könnte, denn sehr viele realitätsnah wirtschaftende Unternehmungen kommen sehr gut auch ohne Aktienkapital aus. Nirgendwo steht übrigens geschrieben, daß ein Unternehmen Gewinne nur erlangen könne, wenn es an der Börse notiert sei. Im Gegenteil: maßvolles „klassisches Wirtschaften“ schafft reale Werte und macht ein Unternehmen entsprechend wertvoll.
Der Aktienkurs eines Unternehmens ist hingegen kein wirklichkeitsgetreues Maß für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Die Zocker an den Börsen, die innerhalb ihres perfiden Spekulationssystems letztlich nur auf Chancen wetten, werden das sicher anders sehen und auch die ganze globale Finanzindustrie, die sich von der realen Wirtschaft schon lange einseitig abgekoppelt hat und wo größtenteils mit virtuellen Werten geschachert wird. Aber wie es sich am „Schwarzen Montag“ zeigte, geht dieser Scheinwelt beständig steigender Werte und Gewinne jetzt effektvoll die Luft aus. Was sich zum Beispiel im größten jemals gemessenen Tagesverlust des DAX ausdrückte.
Möge der Crash der am „Schwarzen Montag“ begonnen hat, noch vernichtender ausfallen, als es bisher abzusehen ist, damit das gesamte Schweinesystem des Liberalkapitalismus gleich mit über den Jordan geht. Kurzfristig mag das für die meisten eine Katastrophe sein, längerfristig aber ein Gewinn für die ganze Menschheit.
Fest steht, daß mancher sich über die Folgen des Dominoeffekts noch wundern wird, der jetzt zwangsläufig seinen Lauf nimmt. Der Normalsterbliche wird bald merken, was es bedeutet, wenn fallende Realeinkommen stark steigenden Preisen gegenüberstehen. Wenn er ist nicht ohnehin schon weiß.
Diese Rezession der Einkommen bei gleichzeitiger Inflation der Preise wird hoffentlich die nötigen Denkanstöße liefern. Jetzt kann vielleicht bald Schluß damit gemacht werden, daß eine winzige Minderheit mit Unmengen letztlich wertlosen virtuellen Geldes die Menschheit beherrscht und ausbeutet und das Ganze als die schöne neue Welt der Globalisierung verkauft.
Diese Globalisierung ist jedoch nichts weiter als die weltweite Ausbreitung des US-Wirtschaftsimperialismus. Wenn den weltweit operierenden Hedgefonds, Großbanken und Versicherungskonzernen nun die Luft ausgeht, geht auch der Imperialmacht USA zumindest zeitweise die Puste aus. Das ist das Zeitfenster, innerhalb dessen sich die Völker unter dem Eindruck einer von den USA und deren hiesigen Handlangern verursachten weltweiten Depression befreien könnten.
Vor ein paar Monaten hätten das sicher viele noch nicht für möglich gehalten, doch, bereits am 13 Januar 2008 konnte man in der Tageszeitung „Die Welt“ lesen: „Dabei sind sich viele Ökonomen sicher, daß der Ernstfall längst eingetreten ist. Und daß er, wie so oft in der Vergangenheit, auch dieses Mal nicht ohne Folgen für Deutschland und den Rest der Welt bleiben wird.
“Die jüngsten Daten lassen darauf schließen, daß Amerika bereits in der Rezession steckt”
sagt David Rosenberg, der Chefökonom der Investmentbank Merrill Lynch.
[…] Behalten die Experten Recht, droht den beiden größten Volkswirtschaften [USA und Japan, der Verf.] der Welt fast zeitgleich eine Krise. Beide zusammen tragen über 40 Prozent zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. Selbst China, das florierende Indien und die bisher robuste Euro-Zone könnten das kaum abfedern. Und die Kettenreaktion geht weiter. [..] Und noch ist ungewiß, ob und wann die Zentralbanken in aller Welt es schaffen, das Feuer zu löschen. In der vorigen Woche kündigten sie an, weitere Milliarden in die ausgetrockneten Märkte zu pumpen.
Letzteres hatte kurz nach den Angriffen vom 11. September 2001 auch der Chef der Federal Reserve, Alan Greenspan, gemacht. Dieser hatte die Zinsen massiv gesenkt und die US-Wirtschaft mit Tonnen frischgedruckter Dollarnoten ohne reale Deckung versorgt. Diese „Blüten“ haben im Grunde die Finanzblase entstehen lassen, die jetzt geplatzt ist. Und die Welt soll nun wieder die Rechnung für US-Amerikas geliehenen Aufschwung begleichen.
Es wird sich jedoch zeigen, ob die Geldtransfusionen in ein kollabierendes System, ganz gleich wie hoch sie auch ausfallen, noch etwas bewirken können. Denn die realwirtschaftlichen Auswirkungen kann noch niemand abschätzen. Wir gehen jedenfalls einer spannenden Zukunft entgegen. Und tatsächlich war der „Schwarze Montag“ ein historischer Tag, zeigte es sich doch, daß zum sozial enthemmten Raubtierkapitalismus der Globalisierung eine Alternative gefunden werden muß.
Jetzt liegt es an der nationalen und sozialen Opposition, diesen Elfmeter zu verwandeln und die raumorientierte Volkswirtschaft als Lösung anzubieten, die auf reale Werte setzt und sich dem Börsenschwindel entzieht.
Klaus-Jürgen Menzel, MdL
Dresden, den 22.01.2008



