Brennpunkt: Die blöden Hetzer

Veröffentlicht am 18. Januar 2008

Liebe Freunde, ich muß Sie enttäuschen. Der bronzene Reichsadler, der mein Palais im Barockstil ziert, hängt dort nicht als Ikone, sondern als Trophäe. Der Adler stammt aus dem Zentralmuseum der sowjetischen Streitkräfte in Moskau, allwo es einige ausgebufften Schweinehunde in der Wendezeit stahlen, als sie nach verwertbaren Gütern suchten. Einer von ihnen hat es mir später in Anerkennung für meine ausgeklügelte Kriegsdienstverweigerungstaktik während des Zweiten Weltkriegs vor die Einfahrt geschmissen.

Einst prangte dieser, von Professor Kurt Schmid-Ehmen erschaffene, bronzene Reichsadler über dem Haupteingang des Ehrenhofs der Neuen Reichskanzlei zu Berlin. Da ich diesen Reichsadler mit Biegen und Brechen, und Dank der bezahlten Hilfe meines osteuropäischen Gärtners, gerade so auf das Podest des Eingangsbereiches positionieren konnte, blicke ich mit Genugtuung auf jene Schenkung. Nicht nur, weil das Ding höllisch schwer war und mir meine Nachbarn vom Hals hält. Nein, es wird mir ewig ein Ansinnen sein, an einen Teil deutscher Geschichte und den aufopferungsvollen Diebstahl einiger Unbekannter. Ferner steht als Repräsentanz einer Klasse, die einst todgeglaubt und nun neu auferstanden. Nein Sie Schmierfink, nicht die! Die antifaschistische Klasse natürlich!

Sehr gut kann ich daher nachvollziehen, wie mißverstanden sich ein Herr Jessen fühlen muß, der selbigen Schwachsinn mit Nutzen verband. Schließlich erfüllt das Plagiat eines Lenin-Gemäldes nur folgenden Zweck:

(…)

Aber – liebe Freunde! Ich muss Sie doch enttäuschen. Lenin hängt dort nicht als Ikone, sondern als Trophäe. Das Bild stammt aus der Parteileitung der Universität Leipzig, allwo es einige tapfere Studenten in der Wendezeit geplündert haben, als sie nach Stasi-Spitzelakten suchten. Eine von ihnen hat es mir später in Anerkennung meiner publizistischen Unterstützung der Stasi-Enttarnungen geschenkt. Ich blicke mit Genugtuung auf diesen Lenin, wegen der Tapferkeit der Leipziger Studenten, aber auch deswegen, weil er jetzt bei mir hängt, also bei einem Angehörigen jener Klassen, die Lenin zu den sterbenden zählte und denen er beim Sterben ja dann auch erfolgreich geholfen hat.

(…)

Soweit korrekt, wir gehören zum Volk der Jäger und Sammler. Schon unsere Urahnen verzierten ihre Höhlengemäuer mit Körperteilen erlegter Tiere. Die Geschichte erwartet es gerade zu, diese Tradition in die Neuzeit zu katapultieren, obschon wir einen Anteil daran haben. Mögen Sie es auch als zweifelhaftes Rauswinden verstehen, Herr Jessen sollte von uns als Nationalheld gefeiert werden, weniger als devastierter Journalist. Vielleicht aber auch als jemand, der ebenso nicht versteht, daß gesprochenes Wort und mitgesandtes Bild einen Gesamtkontext ergeben und man mit einer solchen erhabenen Meinung viel weiter denken muß, als bis zur Redaktionstür.

Schätzen wir uns glücklich, daß die Süddeutsche sich bereits dem Thema angenommen hat und glücklich mit roten Fahnen winkt. Auf, auf Genossen!

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