Von jüdischem Geheimkommando ermordet? Ein Phantom namens Heim

Veröffentlicht am 14. November 2007

Erst im Juli hatte die österreichische Regierung für Hinweise auf seine Ergreifung eine Belohnung von 50 000 Euro ausgesetzt. Doch offenbar ist der aus der Steiermark stammende ehemalige KZ-Arzt Aribert Heim bereits seit mehr als 15 Jahren tot. Das berichtet jedenfalls der israelische Oberst Danny Baz in einem autobiographischen Buch, das dieser Tage in Frankreich erschien. Eine US-jüdische Geheimorganisation mit dem Namen “Die Eule”, an der Baz beteiligt gewesen sein will, habe Heim nach zweijähriger Verfolgungsjagd in Kanada aufgespürt, entführt und auf der Insel Santa Catalina vor der kalifornischen Küste ermordet. Ähnlich sei mit zwölf weiteren Männern verfahren worden, die man einer Verwicklung in NS-Verbrechen beschuldigte.

Heim war während des Krieges Lagerarzt in Sachsenhausen, Buchenwald und Mauthausen, außerdem ein relativ erfolgreicher Eishockeyspieler. 1949 ließ er sich in Mannheim nieder, von 1954 bis 1962 praktizierte er als Frauenarzt in Baden-Baden. Danach verliert sich seine Spur. Neben Eichmann-Mitarbeiter Alois Brunner ist er das meistgesuchte Phantom auf der Fahndungsliste für NS-Verdächtige. Er wäre heute 93 Jahre alt und wohl kaum mehr verhandlungsfähig.

Weil aber die braune Vergangenheit buchstäblich nicht sterben darf, hat die österreichische Justizministerin Maria Berger sofort Zweifel an der Baz-Darstellung angemeldet. Auch der französisch-jüdische “Nazi-Jäger” Serge Klarsfeld sieht Heim noch immer am Leben, ohne freilich sagen zu können, wo. Die Jagd auf NS-Verbrecher ist finanziell lukrativ, wird mit Staats- und Spendengeldern großzügig unterstützt. Auch eignet sie sich hervorragend für “volkspädagogische” Sensationsberichte in den Medien.

Erst kürzlich hat der promovierte Historiker und ehemalige bundesdeutsche Botschafter Heinz Schneppen in einer Untersuchung über die vermeintliche SS-Fluchthilfe-Organisation “Odessa” festgestellt, daß es sich um einen frei erfundenen Mythos handelt. An ihm habe vor allem der vor zwei Jahren verstorbene Ur-”Nazijäger” Simon Wiesenthal mit phantasievollen Ausschmückungen gestrickt. Schneppen spricht von “fragwürdigen” Mitteln und Methoden. Schon Wiesenthal hatte immer wieder behaupt, Brunner und Heim seien am Leben - und daran erkenne man, wie nachlässig die deutsche Justiz arbeite. An dieser Version hält auch das “Simon-Wiesenthal-Zentrum” fest, also wird die Suche unvermindert weitergehen.





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