Warum Nahrungsmittel plötzlich teurer werden: Bauern als Sprit-Erzeuger

Veröffentlicht am 16. Oktober 2007

Derzeit sehen sich die deutschen Verbraucher mit steigenden Milchpreisen konfrontiert. Wie es aussieht, ist das aber nur der Anfang. Schon stehen massive Teuerungen bei weiteren Grundnahrungsmitteln bevor. Auch die Brotpreise drohen zu explodieren, weil das Getreide teurer wird. Das hängt keineswegs mit dem “Klimawandel” zusammen, der inzwischen als Erklärung für alles und jedes herhalten muß.

Daß das Getreide auf dem Weltmarkt teurer wird, hat zum einen mit der unaufhaltsam wachsenden Weltbevölkerung zu tun, die ernährt werden will. Vor allem China drängt mit Macht auf den globalen Getreidemarkt und sorgt immer häufiger für Engpässe. Zum anderen ist die Getreideknappheit hausgemacht. Weil das Öl rarer und damit teurer wird, hat sich die EU dazu entschlossen, bis zum Jahr 2020 insgesamt zehn Prozent des in Europa benötigten Treibstoffes durch sogenannten “Biosprit” zu ersetzen. Eine gefährliche Milchmädchenrechnung: Wenn auch nur diese zehn Prozent aus heimischer Pflanzenproduktion bestritten werden sollen, müßten rund ein Drittel aller europäischen Ackerflächen als Anbauflächen für “Energiepflanzen” genutzt werden.

In den USA läßt sich schon jetzt studieren, wohin die Reise geht. Dort werden im kommenden Jahr Ethanol-Destillerien bereits die Hälfte der gesamten einheimischen Getreideernte zu “Biosprit” verarbeiten. Die Folge: Der Weltmarktpreis für Getreide - etwa für Mais - wird weiter in die Höhe klettern.

Weil sich plötzlich mit staatlich subventioniertem “Biosprit” ebenfalls viel Geld verdienen läßt, steigen die überstaatlichen Ölkonzerne in großem Maßstab ins Geschäft mit den “Energiepflanzen” ein und machen aus Landwirten Treibstofflieferanten. Aus Bauern werden Energiezulieferer, und auf immer weniger Anbauflächen wird Nahrung produziert. Der “Nährstand”, jahrhundertelang Garant der heimischen Ernährungssicherheit, verabschiedet sich aus seiner traditionellen Rolle. Ersatzweise entstehen riesige Monokulturen, die mit energieintensivem Kunstdünger und umweltschädlichen Pestiziden versorgt werden müssen. So sieht es aus, wenn sich bundesdeutsche Politiker als Weltverbesserer versuchen.

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