Hungerlöhne trotz Rekord-Konzerngewinnen

Veröffentlicht am 7. März 2007

Die freie Marktwirtschaft hat dafür gesorgt, daß Löhne unter fünf Euro in der BRD keine Seltenheit sind. Und wenn es nach den Liberalkapitalisten ginge, dürften sie sogar eher zur Regel werden.
Mit einer sozialen Marktwirtschaft haben jedenfalls die Zustände hierzulande offenkundig wenig bis nichts zu tun, wenn z.B. Friseure und Friseurinnen in Sachsen im ersten Berufsjahr 3,82 Euro brutto die Stunde bekommen. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden unter Berufung auf Zahlen aus dem zweiten Halbjahr 2006 mit. In Bremen lag der unterste Tarifstundenlohn für ausgebildete Friseure im ersten Gesellenjahr bei 6,28 Euro.

Ein anderes bezeichnendes Beispiel: Das Wach- und Kontrollpersonal im Veranstaltungsdienst in Thüringen bekam einen Tarifstundenlohn von 4,38 Euro. In den alten Bundesländern wurden Beschäftigte im nordrhein-westfälischen Hotel- und Gaststättengewerbe mit einem untersten Tarifverdienst von 5,25 Euro am schlechtesten bezahlt. Kaum mehr bekamen Mitarbeiter im Wach- und Sicherheitsgewerbe in Hessen mit 5,78 Euro im Nachtdienst.

Aber auch im Einzelhandel sieht es kaum besser aus. So verdienen ungelernte Angestellte zwischen 6,56 Euro in Niedersachsen und 7,06 Euro in Mecklenburg-Vorpommern.

Es liegt auf der Hand, daß von solchen Hungerlöhnen niemand leben bzw. eine Familie ernähren kann. Und es werden immer mehr, die man vor die Wahl stellt, für Niedrigstlöhne zu arbeiten, oder zum Arbeitslosenamt zu gehen. Angesichts dieser Tatsache waren die Hunger- und Armutslöhne selbst den etablierten Medien am 2. März 2007 eine Meldung wert – freilich ohne sie in die richtige Beziehung zu setzen.

Denn das Entstehen eines Hungerlohnsektors in der freien Marktwirtschaft der Haifischkapitalisten ist von den Etablierten gewollt und firmiert unter der Phrase der „internationalen Konkurrenzfähigkeit“. Wen kümmert es da schon, daß die Konzerne seit vielen Jahren Rekordgewinne einfahren.

Einmal abgesehen davon, daß die frühere rotgrüne Bundesregierung dafür sorgte, daß die Konzerne in der BRD kaum noch Steuern zahlen, jetzt folgt die Fortsetzung unter der schwarz-roten Bundesregierung, die die Konzerne durch die Steuerreform in den kommenden fünf Jahren um weitere 30 Milliarden Euro entlasten will und sich gleichzeitig vehement gegen einen angemessenen Mindestlohn einsetzt.

Auf dem Papier soll die Steuerbelastung der Konzerne von heute theoretischen 39 Prozent auf 29 Prozent gesenkt werden. Wohlgemerkt, die meisten Konzerne zahlen in der BRD schon keine Steuern mehr, da sie ganz legal Sitz und Gewinne in Ländern mit weit niedrigeren Steuersätzen verlagert haben. Und die werden auch künftig in der BRD keine Steuern zahlen.

Diese unglaublichen und völlig überflüssigen Steuergeschenke an die Konzerne, die Rekordgewinne einfahren, fallen in eine Zeit, in der dem normalen Bundesbürger das Leben immer schwerer gemacht wird und immer mehr nicht mehr wissen, wie sie trotz Arbeit überleben sollen.
Es darf zudem angenommen werden, daß die Steuerausfälle, die die neuerlichen Steuergeschenke an die Konzerne schaffen werden, von denen ausgeglichen werden müssen, die dumm genug sind, für vier bis fünf Euro noch arbeiten zu gehen.

Doch irgendwann dürfte auch für den letzten Hammel das Maß voll sein, wenn er merkt, daß die bundesdeutsche Ausprägung der Demokratie kaum etwas mit Gerechtigkeit zu tun hat, sondern vielmehr mit der schamlosen Herrschaft des Geldes, die mitunter, wenn es Gewinne verspricht, auch über Leichen geht.





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