Der Volkstod geht um – auch zu “Halloween”
Veröffentlicht am 4. November 2009

„Mama, beeil Dich, es ist schon fast um vier!“ So und so ähnlich klingt es am Nachmittag des 31. Oktober 2009 zumindest in den Häusern der südbrandenburgischen Stadt Ruhland, in denen noch Kinder wohnen. Offizielle und Vereine der Stadt haben zu einem „Halloween-Fest“ geladen, Beginn 16:30 Uhr auf dem Marktplatz.
Was es in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November zu feiern gibt, weiß keiner so genau. Ein ursprünglich aus Irland stammender und in den USA zum Kitsch- und Kommerzhöhepunkt pervertierter Brauch wird internationalisiert – ganz so, wie die Profite derer damit maximiert werden, die schon seit Wochen Kostüme, Masken und Plastik-Kürbisse in den Supermarktregalen vorrätig halten, auf dass keiner sich der neuen Tradition entziehen möge. Den einen kommen neue Feste gelegen, um kalendarische Lücken der kapitalistischen Maschinerie zu schließen, den anderen, um ihr Volk durch „Brot und Spiele“ davon abzulenken, was permanent mit ihm geschieht – ganz gleich, ob es amerikanische Konsumfeste feiert oder nicht.
Was geschieht denn permanent? Dem deutschen Volk widerfährt der Tod! Schleichend, heimlich, nicht erwähnt von den Machthabern und in den Medienveröffentlichungen demografischer Zahlen nur für die erkennbar, für die „Volk“ sich von „Bevölkerung“ unterscheidet: Für die, die – ohne Erklärungen abwarten zu müssen – instinktiv wissen, dass die Zukunft einer Kulturnation niemals durch ein Auffüllen seiner Volkssubstanz mit artfremden Menschen aus aller Welt gesichert werden kann.
Diese Frage stellt sich indes in Ruhland überhaupt nicht. Typisch für so viele Städte der Region findet ein solcher Austausch der Bevölkerung hier noch nicht einmal statt. Eines solchen bedarf es nur dort, wo entweder Produzenten oder Konsumenten benötigt werden, die das System aus Geld und Ware am Leben erhalten. Dort aber, wo der Produktionsstandort nicht mehr rentabel ist und die fortwährende Existenz von Konsumenten missliebige Infrastrukturprobleme birgt, verzichten die Demokraten lieber ganz auf ihre „Bevölkerung“. So ist es kein Wunder, dass die Einwohnerzahl Ruhlands von 5.664 im Jahre 1950 auf 4.106 im Jahre 2005 gesunken ist.
Einst für Familien angelegter Wohnraum wurde Schritt für Schritt „altersgerecht“ – als Ausdruck eines Duldungsszenarios für jene, die bald sterben werden und damit in Kürze keine Probleme für Versorgungssysteme mehr darstellen. Allen anderen aber bietet man lieber den Weg gen Westen, Norden oder Süden – wer dabei finanziell „richtig gut wegkommen“ will, soll möglichst gleich ins Ausland gehen, damit er auch im Sinne derer „gut wegkommt“, die in der Heimat die letzten Wirtschaftsstandorte an international agierende Investoren verramscht und damit jede Chance auf eine Trendwende in diesem System vorsätzlich vergeben haben. Was bleibt, ist die dunkle Zukunftsahnung einer „Gesellschaft“ aus Alten und Kranken, die keinen „neuen Standort“ finden konnten.
Auch auf dem Halloween-Fest in Ruhland kann vor dieser Entwicklung niemand die Augen verschließen. Diejenigen, die noch mit Kindern hier wohnen, wissen aus Berichten anderer um die Befürchtung, dass vielleicht noch sie selbst, keinesfalls aber ihre Kinder in dieser Region werden leben können, sofern sie nicht über kurz oder lang auf Arbeitslosengeld II angewiesen sein wollen und damit jeden Mindeststandard menschenwürdiger Lebensgestaltung einbüßen, der in einem Staat erwartet werden dürfte, der jährlich Waren im Werte von fast 1.000 Milliarden Euro exportiert und damit führend in der Welt ist.
Nachdenklich steht so mancher am Straßenrand, der dem Fest zum Thema „Halloween“ skeptisch und der Zukunft seiner Region ängstlich entgegensieht. Gegen 17:30 Uhr formiert sich ein Umzug. Spielmannszüge beginnen zu musizieren, verkleidete Kinder und ihre Eltern folgen ihnen. Grotesk wirkt der Umzug fröhlicher Kinder in der nasskalten Dämmerung und im eisigen Wind, als würde die Natur selbst in diesem Moment unbeschwerter Heiterkeit mahnend auf das drohende Ende hinweisen, das unausweichlich erscheint, je länger niemand die Machthaber in ihrem Tun hindert.
Viel besser als die bunten Verkleidungen und das Lachen der Kinder passt da das Bild, welches sich dem Beobachter am Straßenrand gegen Ende des Umzuges bietet: Vier junge als „Sensenmänner“ verkleidete Leute mit blass geschminkten Gesichtern tragen ein schwarzes Transparent vor sich her, auf dem in großen weißen Buchstaben schon von weitem zu lesen ist, was so mancher hier bereits weiß: „Die Demokraten bringen uns den Volkstod“.
Oft schon tauchten solche Sensenmänner in der Region auf, um auf die Pläne der Demokraten und deren Verwirklichung durch all ihre Handlanger in Wirtschaft, Kultur und Medien hinzuweisen, und einigen in Ruhland ist das bekannt. „Die Demokraten bringen uns den Volkstod“, liest einer, „richtig – her mit dem Flugblatt!“ ruft er einem weiteren Sensenmann zu, der neben den Transparentträgern läuft. „Was steht denn da oben?“ fragt ein Kind neugierig seine Mutter, die interessiert das Flugblatt zu lesen beginnt. „Spreelichter…“ antwortet diese.
Inzwischen ist schon der halbe Weg des Umzugs gegangen. Keinerlei negative Resonanz kommt auf, im Gegenteil: Wer die Sensenmänner bemerkt, bekundet Interesse, ja sogar Zustimmung. Selbst die Ordner lächeln den Kostümierten zu, nicken zustimmend – die Lausitzer Rundschau (im Volksmund „Lügen-Rudi“ genannt) wird später schreiben, dass „rechtes Gedankengut in Ruhland keinen Platz habe“ und dass „den Ordnern das Spruchband nicht aufgefallen“ sei.
Noch immer scharen sich die Anwohner um die Gruppe der Sensenmänner. Keine Spur von Polizei oder anderen, die ihr Anliegen gefährden könnten. „Wer hat uns verraten? – Die Demokraten! – Und wer macht damit Schluss? – Nationaler Sozialismus!“ beginnen die jungen Aktivisten laut zu rufen – auch noch, als der Umzug vorbei ist, auf dem Festplatz, aufgestellt am Lagerfeuer, schallen die Parolen weit hinaus in die Dunkelheit dieser Zeit.
Für Gesprächsstoff auf dem noch fortdauernden Fest ist durch den Auftritt und die verteilten Flugblätter gesorgt. Die Sensenmänner verschwinden schnell und unerkannt, wie sie gekommen waren. Die Medien werden geifern, Veranstalter sich empören, Offizielle sich distanzieren… aber all jene, die dabei waren, werden sich erinnern.








Diesen Beitrag inhaltlich ergänzen
Als inhaltliche Ergänzungen werden nur objektive Fakten, die den eigentlichen Bericht durch neue Informationen ergänzen, zugelassen. Subjektive Meinungen gehören stattdessen in das Diskussionsforum und werden hier nicht freigeschaltet. Ziel einer Ergänzung sollte es sein, dem Leser möglichst viele Fakten zum Thema zur Verfügung zu stellen.