Bericht zum Trauer- und Protestmarsch in Stolberg
Veröffentlicht am 5. April 2009
„Der Zug Richtung Stolberg Hauptbahnhof verspätet sich infolge einer Signalstörung um voraussichtlich 25 Minuten.“ – Fast genau die gleiche Angabe – mit ziemlich genau der gleichen Verzögerung… – konnte man ein Jahr vorher hören. Nur war es damals eine Betriebsstörung und keine Signalstörung. Egal, Hauptsache, irgendeine Störung. Es blieb nicht die einzige im Bahnverkehr.
In Eschweiler – eine Station vor Stolberg Hauptbahnhof – kam dann eine weitere Durchsage: „Dieser Zug fährt nicht bis zur Großdemonstration in Stolberg weiter.“. Kurz entschlossen stiegen die rund dreihundert mitreisenden Kameradinnen und Kameraden aus. Ein Ortskundiger erklärte, daß der Hauptbahnhof Stolberg nur vier bis fünf Kilometer entfernt sei – kein zu weiter Weg, um ihn zu Fuß zu erreichen. Also wurde losmarschiert. Dies geschah zur Überraschung und möglicherweise sogar zum Unwillen der Polizei, denn nach rund einem Kilometer hörte man das vertraute „tatü-tata“, und eine Menge Leute in grün erschienen. Naja, eine relative Menge; wir waren einige mehr. Aber die Polizei ist wahrscheinlich eine nur bedingt demokratische Institutition, weil Mehrheiten sie nicht interessieren, sofern es nicht ihre eigene Mehrheit ist… Man stoppte uns, und es gab eine Diskussion über den weiteren Ablauf. Diese endete nach vielleicht einer guten Viertelstunde damit, daß ein höherer Polizeiführer uns nach Rücksprache mit seinen Kollegen ehrenwörtlich erklären konnte, daß der Bahnverkehr nunmehr ungestört sei und die Weiterreise mit dem Zug damit möglich sei. Ganz im Sinne moderner Aufklärung der Bürger im Kommunikationszeitalter ließ man uns auch den Grund der bahnmäßigen Ansage wissen: Der Hauptbahnhof Stolberg sei zeitweilig von Gegendemonstranten besetzt gewesen; diese Besetzung habe man zwischenzeitlich aber mit polizeilichen Mitteln beendet.
Soweit, so schön. Der Mann hielt übrigens wirklich Wort, was speziell DIESEM höheren Polizeiführer wohl nur die wenigsten Kameraden zugetraut hätten. Vom Zug aus konnten wir am Bahnhof Stolberg dann auch die Gegendemonstration sehen. Es waren großzügig geschätzt 150 Personen.
Weiter ging es mit einer viel zu kleinen Bimmelbahn zum sogenannten Mühlenbahnhof, dem Ausgangsort der Demonstration.
Dort dauerte es wegen des üblichen Bürokratismus (Ordnervorstellung und so weiter) dann noch rund eine Stunde, bis wirklich begonnen werde konnte. Für die Teilnehmer war die Wartezeit nicht weiter schlimm, weil der Veranstalter mit Wurst- und Käsebrötchen, Mineralwasser und Fruchtsaftschorle für das leibliche Wohl gesorgt hatte. Für den Ablauf der Veranstaltung war es ein wenig lästig, weil diese bis 17.oo Uhr angemeldet war und die Polizei auf die Einhaltung des Zeitrahmens bestand, da die Verzögerungen bei der Anreise angeblich uns anzulasten seien. Ein merkwürdiger Standpunkt, und Veranstalter Ingo Haller aus Siegen kündigte an, dies gerichtlich anzufechten.
Zum Autfakt sprachen Kamerad Haller, Robert Klug, ein mir namentlich nicht erinnerlicher junger Kamerad aus Potsdam, der seine erste freie Rede vor größerem Publikum hielt und dafür seine Sache recht gut gemacht hat, und meine Wenigkeit. Dann ging es los. Die Wegstrecke war länger als im letzten Jahr, aber teilweise weniger attraktiv. Auch dies lag an einem etwas merkwürdigen Verhalten der zuständigen Behörde – Polizeipräsidium Aachen – , das ohne erkennbaren Rechtsgrund eine fast ein Jahr vorher zugegangene Anmeldung nicht hatte akzeptieren wollen, um dem politischen Gegner einen Ausgangsort im attraktiveren Teil der Stadt zuweisen zu können. Auch dieses wird gemäß Ingo Hallers Ankündigung gerichtlich angefochten.
Immerhin führte der Marsch zum Tatort, was entscheidend war.
Dieser erste Teil der Strecke wurde als Trauermarsch zurückgelegt, wobei die Teilnehmer zu loben sind, daß sie sich auch durch einzelne Provokationen von Linken und lieben ausländischen Mitbürgern nicht in ihrer Ruhe und Würde stören ließen.
Am Tatort sprachen Sven Skoda und Axel Reitz.
Der zweite Teil der Strecke wurde ausdrücklich als Protestmarsch zurückgelegt, um im dogmatischen Streit zwischen Trauer- und Protestmarsch die Vertreter beider Ansichten zufriedenzustellen.
Die Demonstration erwies sich dabei als lautstark und entschlossen.
Am sogenannten Mühlenbahnhof fand dann die Auflösung statt, und wegen der Menge der Teilnehmer mußte die Bimmelbahn zum Stolberger Hauptbahnhof zweimal fahren. Nach polizeilichen Angaben waren es 530 Personen, also ein paar Dutzend mehr als bei der letzten Demonstration im April vergangenen Jahres, wo wir meiner Erinnerung nach knapp unter 500 waren.
Wenn die Medien – teilweise stark voneinander abweichend – zwischen 2.000 und 6.000 Gegendemonstranten berichteten, so war das für mich einfach nicht nachvollziehbar. Die paar Dutzend Schreihälse, die unseren Weg säumten, dürften weitgehendst die selben gewesen sein, die wir vorher am Hauptbahnhof schon kurz erblicken konnten. Ob der angebliche – und weit größere – Rest irgendwo auf der grünen Wiese bei Freibier ein „Fest der Demokratie“ oder so was gefeiert hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Freibier interessiert mich an Veranstaltungstagen überhaupt nicht, weil solche Tage alkoholfrei bleiben. (Nicht nur für mich als Kraftfahrer, sondern für alle Teilnehmer.) Nur finde ich es ausgesprochen bedenklich, unwürdig, ja, geradezu beschämend, wenn jemand meint, am Todestag eines von einem Ausländer erstochenen jungen Deutschen ein irgendwie geartetes „Fest“ feiern zu müssen. Aber so kennt man sie halt, die Gutmenschen und die derzeitigen Machthaber in diesem Land.
Insgesamt aber war aus unserer Sicht dieser Tag sehr erfolgreich, und daß die Demonstration zeitgleich mit dem relativ kurzfristig angesetzten Bundesparteitag der NPD stattfand und daher höherrangige Parteiprominenz nicht zugegen war, hat wohl niemanden wirklich gestört.
Hamburg, den 5. April 2009
Christian Worch





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