Dresden: Nicht den Tätern “geh-denken”, sondern den Opfern
Veröffentlicht am 15. Februar 2009
Dresden, 13.02.2009. Nicht den Tätern “geh-denken”, sondern den Opfern! Unter diesem Motto stand der diesjährige Trauermarsch in der sächsischen Elbestadt, welcher um 18.30 Uhr eröffnet wurde. Als erster Redner überbrachte Enrique Valls, Abgeordneter der Alianza Nacional aus Spanien, die Grußworte aus seiner Heimat. Kurz darauf formierte sich der Zug und setzte sich nach dem Entzünden der Fackeln, begleitet von klassischer Musik, in Bewegung. 1200 Menschen, junge Aktivistinnen und Aktivisten, Seite an Seite mit der Erlebnisgeneration, bewegten sich im Fackelschein durch das abendliche Dresden. Unter Ihnen Vertreter aus der Tschechei, Österreich und wie bereits erwähnt, Spanien. Langsam und bedächtig schoben sich die in 4er und 5er Reihen Angetretenen vorwärts. Erst als die Spitze des Marsches schon weit in die Falkenstraße vorgedrungen war, verließen die letzten Teilnehmer den Sammelplatz.
Die großen Wohnhäuser warfen die schallende Musik zurück und hier und da, verfolgten neugierige Blicke aus den unzähligen beleuchteten Fenstern die Menschen auf der Straße. Weiter führte der Weg zum Wettiner Platz, wo zur Zwischenkundgebung Aufstellung genommen wurde. Dass der Marsch nach all den Jahren nicht durch das historische Zentrum der Kunst- und Kulturstadt führte, hat seine Gründe. Auch uns war sicherlich nicht an dieser Änderung gelegen, doch tat sie dem reibungslosen Ablauf keinen Abbruch. Immerhin gehört auch dieses Gebiet zum so genannten “26er Ring” und damit zum unmittelbaren Stadtzentrum, welches gerade besonders im Mittelpunkt der Angriffe angloamerikanischer Bomberverbände lag.
Trommelschläge eröffneten die Zwischenkundgebung. Das Wort hatte nun Andreas Biere von der “Initiative gegen das Vergessen” aus Magdeburg. Neben vielen anderen deutschen Städten, wurde auch Magdeburg, ebenso wie Dresden, zum Ziel angloamerikanischen Bombenterrors gegen die deutsche Zivilbevölkerung. Auch in Magdeburg treten Jahr um Jahr junge Menschen zum Ehrendienst an, um an das Schicksal ihrer Stadt zu erinnern und die Tradition des Gedenkens wach zu halten. Gerade im Hinblick auf die Pflege dieser Erinnerungskultur, welche einen festen Bestandteil unserer Volksseele darstellt, sind sowohl die “Initiative gegen das Vergessen” aus Magdeburg, wie auch das “Aktionsbündnis gegen das Vergessen” aus Dresden, eng miteinander verbunden. So richtete als zweiter Redner der Kundgebung, der Sprecher des Aktionsbündnisses, Maik Müller, seine Worte an die Anwesenden. Nach dem Niederlegen des Kranzes und einer Schweigeminute, formierte sich der Zug erneut.
Nachdem der Kranz wieder aufgenommen, heruntergebrannte Fackeln gegen neue ausgetauscht waren, kam wieder Bewegung in die Reihen. Noch einmal kündeten die Spruchbänder vom festen Willen der Marschierenden. So unterschiedlich die Bänder auch waren, so eindeutig lautete die Mahnung an sich selbst, gleichermaßen auch das Versprechen an die Toten unseres Volkes: “Wir vergessen nicht!”. Nach der Ankunft am Sammelplatz, wurde das diesjährige Dresden-Gedenken nach einer kurzen Ansprache für beendet erklärt.
So fand auch in diesem Jahr eine Gedenkkultur ihre Fortsetzung, welche mit wenigen hundert Menschen, vor 10 Jahren in Dresden ihren Ursprung hatte. Diese Tradition hochzuhalten, sie auch in Zukunft weiter zu pflegen, haben wir uns zur Aufgabe gemacht.
In diesem Sinne hat unser Dank all jenen zu gelten, welche mit ihrem unermüdlichen Einsatz auch in diesem Jahr zu einer würdevollen Ehrenbezeugung an die Toten unseres Volkes, an die Toten von Dresden beigetragen haben. Nicht zuletzt jedem Teilnehmer, der durch seinen Einsatz und seine Disziplin einmal mehr den Beweis erbracht hat, dass innere Verpflichtung und Idealismus nicht aufgewogen werden können mit Geld, nicht ersetzt werden können durch bloße Masse. Ihnen sei auch in gewohnter Form eine abschließende Bewertung des diesjährigen Trauer- und Gedenkmarsches zugestanden.
Bilder vom 13. Februar 2009
Bilder vom 14. Februar 2009





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