München: Jugendsünde wird CSU-Strategiechef zum Verhängnis
Veröffentlicht am 7. Januar 2009
Er galt als ein enger Vertrauter des CSU-Generalsekretärs Karl Theodor zu Guttenberg und wurde Anfang Dezember von ihm als Chef der Strategieabteilung in die CSU-Parteizentrale berufen. Nun darf der 32-jährige Adlige in München wieder seine Koffer packen: Grund dafür ist ein über 16 Jahre zurückliegendes Foto, das den CSU-Strategiechef auf einer Jugendfeier mit erhobenem Arm zeigt.
“Das ist für mich inakzeptabel, gerade bei der Geschichte meiner Familie”, zitierte die “AZ” den CSU-Generalsekretär. Guttenbergs Urgroßonkel Karl Ludwig hatte enge Kontakte zu den NS-Widerstandskämpfern um Graf Stauffenberg. Knapp ein Jahr nach dem mißglückten Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 wurde er von der Gestapo hingerichtet. Der CSU-Generalsekretär stand sogar Hollywood-Star Tom Cruise zur Seite, als der in Berlin seinen Stauffenberg-Film drehte.
Ursprünglich hatte der CSU-Generalsekretär viel mit seinem Vertrauten vor, der bis zu seiner Berufung nach München das Bundestagsbüro Guttenbergs leitete. Nun sollte der aus einem fränkischen Freiherrngeschlecht stammende Vertraute die Arbeit der CSU-Zentrale beaufsichtigen, wenn Guttenberg sein Bundestagsmandat in Berlin wahrnimmt. Ein Foto aus Jugendtagen, das sicherlich großzügig als Jugendsünde hätte behandelt werden können, unterbrach diese Pläne nun unerwartet.
Der Vorgang ist der CSU offenbar so peinlich, daß in allen bis dato vorliegenden Presseberichten zu diesem Thema nicht einmal der Name des verhinderten Strategiechefs genannt wurde, weshalb wir ihn an dieser Stelle auch noch nicht wiedergeben konnten.
Interessant in diesem Zusammenhag dürfte aber auch sein, daß der 32-jährige in der Parteizentrale laut Berichten „mit einer sehr forschen und selbstbewußten Art in der CSU-Zentrale heftig angeeckt” sei. Plötzlich tauchen nun in dieser Situation wieder die Fotos auf – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Der nun unsanft gefeuerte Vertraute Guttenbergs will sich an die Feier mit dem Hitlergruß nicht mehr erinnern. “Das ist 16 Jahre her. Das war eine Teenagerparty. Da muss man auch die Kirche im Dorf lassen”, sagte er völlig zutreffend. Bleibt abschließend nur die Frage, ob der CSU-Generalsekretär ebenso übertrieben reagiert hätte, wenn der Gefeuerte in seinen Jugendjahren Mitglied einer kommunistischen Organisation gewesen wäre? In der Regel geht die Bundesrepublik hiermit immer etwas toleranter um – egal ob der Betroffene sich von dieser Gesinnung verabschiedet hat oder nicht.







Diesen Beitrag inhaltlich ergänzen
Als inhaltliche Ergänzungen werden nur objektive Fakten, die den eigentlichen Bericht durch neue Informationen ergänzen, zugelassen. Subjektive Meinungen gehören stattdessen in das Diskussionsforum und werden hier nicht freigeschaltet. Ziel einer Ergänzung sollte es sein, dem Leser möglichst viele Fakten zum Thema zur Verfügung zu stellen.