Döbeln am 1.November - Härtere Strafen für Kinderschänder!

Veröffentlicht am 1. November 2008

Wabernde Nebelschwaden hängen über den Wiesen und Feldern der vorbeirauschenden Landschaft. Eintönig klingt das Rattern der Eisenbahnwagons. “Nächster Halt Döbeln” zerschneidet die Stimme aus dem Lautsprecher die monotone Kulisse. Das Einsatzziel ist erreicht! Vor dem alten Bahnhofsgebäude haben sie sich eingefunden. Sie wollen den ungehörten Hilfeschreien ihre Stimme leihen. Ungehörten Hilfeschreien vernachlässigter, gequälter, gepeinigter und misshandelter Kinder. Kevin, Stephanie, Robin, Michelle - bald sind ihre Namen vergessen in der schnelllebigen Zeit. Zu schnell! Und die, die aus dem Leben schieden durch Mörderhand? Sie können nicht mehr schreien.

So stehen sie gemeinsam auf dem Platz, umringt von den Organen des Systems. Schnell macht es die Runde: Angriffe hat es gegeben. 30 gegen 5, darunter zwei Mädel. Ob was passiert ist? Keiner weiß es so recht. Feiges Pack! Einige Zeit vergeht, als Bewegung in die Menge kommt - Abmarsch zum Treffpunkt.

Auf dem großen Platz stehen wartend die nächsten Systemeinheiten. Dröhnend rollt aus der Ferne ein Lautsprecherfahrzeug heran. “Bewahren Sie Ruhe!”. Wieder werden sie aufgehalten, müssen sie schikanöse Kontrollen über sich ergehen lassen. Es wird sich wieder gesammelt. Während die Organisationsleitung die aktuelle Lage fokussiert und letzte Vorbereitungen trifft, wächst die Menge der jungen Menschen. Immer mehr strömen herbei, wollen ihn unterstützen den Protestmarsch für den Schutz ihrer Kinder, der Zukunft ihres Volkes. Ob aus Dresden, Chemnitz, Dessau oder Leipzig - von überall hatten sie den Weg nach Döbeln gefunden. Die Aktion beginnt, ein Sprecher stimmt auf das Thema ein, Aufstellung wird genommen. Neugierig wie hungrige Raubtiere umschleichen Pressevertreter die Menschenmenge. Filmen, fotografieren, stellen scheinheilige Fragen.

Laut rufend setzen sich die jungen Menschen in Bewegung. Das donnernde “Todesstrafe für Kinderschänder” der Megaphonschützen hallt durch die Straßen. Erwartungsvoll blicken Anwohner aus ihren Häusern. Einige winken ihnen zu, denen die da auf der Straße marschieren. Tausende Handzettel kündeten in den letzten Tagen von ihrem Marsch, nun endlich ist es soweit. Ohne Aufenthalt schiebt sich die Menschenkette vorwärts. “Unsere Kinder sind unsere Zukunft”, schallen die Rufe der Menge ohne Pause herüber. Fahnen tanzen im Wind und für die, die es immer noch nicht verstanden haben unterstreichen die Spruchbänder wieder und wieder die Forderung der Protestierenden.

Plötzlich Aufruhr. Eine kleine Gruppe am Rand beschimpft die jungen Menschen. Sind es die Angreifer von heute morgen? Sie sind doch im gleichen Alter, vielleicht noch jünger als so mancher der in den Reihen mitmarschiert. Sie sind geblendet vom falschen Glanz ihrer Scheinwelt, verhetzt vom System und ihren Führern. Sehen sie denn nicht, dass auch sie selbst die Verantwortung für die Zukunft ihrer Heimat zu tragen haben? Haben sie Angst vor der Verantwortung, vor der Einsatzbereitschaft, die für viele der jungen Menschen schon zum festen Lebensinhalt geworden ist? Ist es das wovor sie sich fürchten, weshalb sie mit Steinen werfen? Die Antwort kennen nur sie selbst.

Nur wenige Augenblicke dauert die verbale Konfrontation, zu der sich so mancher hinreißen lässt. Doch warum? Wozu? Stehen nicht andere Forderungen im Mittelpunkt ihres Handelns? Gibt es nicht wichtigere Standpunkte zu vertreten? Ein großer Halbkreis formiert sich. Zwischenkundgebung! Drei aus der Mitte ihrer Gemeinschaft treten hervor, versuchen die Wut vieler in Worte zu fassen. Wut über einen Staat, der seine Aufgabe zum Schutz seiner Kinder nicht mehr wahrnimmt und seine Daseinsberechtigung damit verloren hat! Ihre Ansprachen sind deutlich, finden auch bei umherstehenden Bürgern zustimmenden Beifall.

Wieder nehmen sie Aufstellung, setzen sie ihren Marsch zurück zum Treffpunkt fort. Noch einmal kurzes Innehalten: ein letzter Aufruf zu kommenden Aktionen, eine letzte Mahnung in die eigenen Reihen. Dann endet die Aktion. Kurze Zeit später umhüllt wieder dichter Nebel die dahinfliegenden Wagons, dröhnt das monotone Geräusch der Gleise. Und in ihren Köpfen hallt der Ruf nach:

Schützt unsere Kinder hier und jetzt, denn unsere Kinder sind unsere Zukunft!





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