Geithain erwache! – ungehinderter Protestmarsch am 03.10.2008
Veröffentlicht am 3. Oktober 2008
Geithain, eine kleine Stadt gelegen zwischen Dresden, Chemnitz und Leipzig. Etwa 7000 Einwohner bevölkern das ansehnliche Örtchen mit seinen historischen Häusern und Gassen, welche von der 42 Meter hohen Pfarrkirche Sankt Nikolai überragt werden. Doch etwas war anders an diesem 3.Oktober.
Leicht weht der Wind und spielt mit den vom Herbst bunt gefärbten Blättern der Bäume. Musik schallt aus Richtung des kleinen Bahnhofsplatzes, wo sich 200 junge Menschen versammelt haben. Was wollen Sie? Demonstrieren! Und wofür? Für eine Zukunft mit Perspektive! Für eine Zukunft, welche sie selbst bestimmen und gestalten wollen. Eine Zukunft, in welcher sie nicht von Anbeginn zum Scheitern verurteilt sind und wo ihre Kinder frei aufwachsen können. Ja! Dafür wollen sie ihren Protest gegen die herrschenden Zustände auf die Straßen tragen. Doch warum die Polizeimannschaften? Natürlich zum Schutz. Wessen Schutz? Na der Demonstranten natürlich. Doch sie wissen, hier bedarf es keines Schutzes ihrer selbst. Einzig der Einschüchterung soll das Aufgebot des Systems dienen, zur Abschreckung Außenstehender und Kriminalisierung jedweden systemkritischen Verhaltens. Einer ergreift das Mikrofon, eröffnet die Versammlung welche mit den üblichen undemokratischen Auflagen der Ordnungsbehörden und deren Handlager bedacht wurde. Nach der Ansprache nehmen sie Aufstellung.
Entlang der Straße stehen, aufgereiht wie von Kinderhand auf eine Kette gefädelte Kastanien, staunende Menschen. Herausgerissen aus ihrem eintönigen Alltag in der sonst so idyllischen, ruhigen Provinz. Es ist was los in Geithain! Die jungen Menschen beginnen ihren Protestmarsch. Grell leuchtet das helle Transparent in den herbstgrauen Tag. „Revolution ist machbar!“ steht darauf geschrieben. Die ersten Rufe sind zu hören. „Fei, sozial und national“, „Gegen System und Kapitalismus – Nationaler Sozialismus“, „Geithain erwache“. Entlang kleiner Arbeiterhäuser schiebt sich der Tross, unter ständigen Rufen, behäbig durch die engen Strassen von Geithain. Ab und zu blinzelt die Sonne durch die Wolken und aus der Ferne schauen die Türme der Sankt Nikolai Kirche auf die jungen Menschen herab, die bald den Marktplatz erreicht haben.
Dort bilden sie einen Kreis. Der Wind fährt durch die Spruchbänder und Fahnen und lässt sie lustig tanzen. Einige Jugendliche rufen etwas herüber. Sie wünschen sie sich heraus aus ihrer Stadt, die, die da auf dem Platz versammelt sind. Sie sind im gleichen Alter, vielleicht etwas jünger. Wer mag sie aufgehetzt haben gegen ihr eigenes Volk? Vielleicht aber mussten sie den bitteren Geschmack des Lebens noch nicht kosten, wohlbehütet in der Eltern Schoß. Vielleicht aber ist es auch nur verschämte Neugier, wer es wagt den alltäglichen Trott in ihrer Stadt zu durchbrechen. Aus der Mitte derer auf dem Marktplatz erhebt sich eine Stimme. Sie spricht aus der Mitte der Gemeinschaft und verdeutlicht das Wollen, die Hoffnungen die der Antrieb für ihr Kommen sind. Da verstummen die, die vorher noch schreiend am Rand des Platzes standen. Auch sie werden ihren Weg finden, ja finden müssen. Wieder formiert sich der Menschenzug und nimmt seinen Weg erneut auf. Wieder erklingen die Rufe und gellen durch die engen Gassen. „Geithain erwache“. Jawohl, Geithain erwache!







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