Bericht zur Spontandemonstration in Lüneburg

Veröffentlicht am 3. Juni 2007

Mehrere Reisebusse aus NRW machten sich in den frühen Morgenstunden des 2. Juni auf den Weg Richtung Mitteldeutschland. Niemand konnte genau wissen, was der Tag so alles bringen würde. Als sich die Busse in Bewegung setzten, sah der Rechtsstand so aus, daß die angemeldete nationale Protestdemonstration gegen den G8-Gipfel in Schwerin und eine weitere Demo für Meinungs-, Rede- und Versammlungsfreiheit in Ludwigslust vom Oberverwaltungsgericht Greifswald verboten waren und gegen diese Verbote von den Veranstaltern das Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung angerufen wurde. Wir wußten also noch nicht, wo wir letztendlich demonstrieren würden.

Um ca. 10 Uhr erhielten wir die Nachricht, daß das BVG für uns negativ entschieden bzw. überhaupt keine Entscheidung getroffen hatte, jedenfalls blieben die beiden angemeldeten Demonstrationen endgültig verboten. Daraufhin marschierten mehrere hundert Nationalisten spontan im eigentlich „roten“ Lüneburg in Niedersachsen. Ganz bestimmt läßt sich der Nationale Widerstand von keinem bundesrepublikanischen Gericht vorschreiben, wann und wo wir mittels Demonstrationen in die Öffentlichkeit treten.

Im Lüneburger Innenstadtgebiet stiegen etwa 300 Nationalisten aus den Reisebussen und formierten sich in Sekundenschnelle mit Fahnen, Transparenten und Megaphonen zu einer Spontandemonstration durch die Lüneburger Fußgängerzone. Hunderte Bürger wurden während ihres Einkaufsbummels mit unseren Sprechchören konfrontiert, die Aufmerksamkeit war dem eindrucksvollen nationalen Protestmarsch gewiß. Wenig später stießen noch 100 Kameraden der Demonstration hinzu, nun waren schon 400 Nationalisten in Lüneburg unterwegs. Fünf völlig überforderte Polizisten waren ebenfalls vor Ort. Sie beschränkten sich aber klugerweise darauf, ein paar pöbelnde Gutmenschen der nationalen Demonstration fernzuhalten und kamen uns erstmal nicht in die Quere.

Auf einem großen Platz mitten in der Lüneburger Innenstadt hielten wir eine Kundgebung ab. Vorher versuchte ein Polizist, einem Kameraden das für die Durchführung der Kundgebung notwendige Handmegaphon gewaltsam zu entreißen. Einige Teilnehmer mußten daraufhin mit einfachen körperlichen Mitteln gegen den Gewalttäter einschreiten, eine Anzeige wegen versuchten Raubes wird geprüft. Auf der Kundgebung sprachen die freien Nationalisten Sven Skoda und Christian Worch sowie der stellvertretende Landesvorsitzende der NPD Niedersachsen, Andreas Molau. Die Bürger waren natürlich überrascht von dem Eintreffen der Nationalisten, aber durchaus daran interessiert, was die Redner ihnen zu sagen hatten. Nach der Kundgebung sorgte die Polizei bei den Teilnehmern für Erheiterung: Ein Beamter meinte bei einer Lautsprecherdurchsage allen Ernstes, unsere Veranstaltung aufgelöst zu haben. Selbst im Polizeibericht halten die Einsatzkräfte an dieser Behauptung fest.

Die Demonstration ging selbstverständlich weiter, jetzt auch unterstützt durch einen angerückten Lautsprecherwagen. Plötzlich tauchte der Lüneburger Oberbürgermeister Ulrich Mägde auf und ging während der Demonstration neben einem Polizeibeamten her. Wahrscheinlich wollte er sich nur bei dem mitgebrachten Lokalreporter als treuer demokratischer Streiter gegen den Nationalen Widerstand aufspielen. Von den Teilnehmern wurde er fast vollständig ignoriert, selbst als er die Teilnehmer durch den Polizeilautsprecher anpöbelte. Trotzdem erkennen wir an, daß es von Mägde nicht ganz unmutig war, sich von nur fünf Polizisten geschützt einer Masse von 400 Nationalisten entgegenzustellen.

Als wir wieder bei den Reisebussen angekommen waren, wurde der Protestmarsch nach dem Absingen des Deutschlandliedes beendet. Die Demonstration dauerte insgesamt etwa eine Stunde, sie verlief bis auf den Zwischenfall mit dem Megaphon friedlich und störungsfrei. Was passiert wäre, wenn die Stadt Lüneburg Besuch von 400 Anarchos anstatt von uns bekommen hätte, konnten die Bürgerinnen und Bürger den Fernsehbildern aus Rostock entnehmen. Allein der Nationale Widerstand sorgte in Lüneburg für den friedlichen Ablauf, selbst die Handvoll Polizisten waren eigentlich vollkommen überflüssig. Für Gesprächsstoff wird bei den Lüneburgern in den nächsten Tagen jedenfalls ausreichend gesorgt sein.

Als die meisten Teilnehmer wieder auf dem Heimweg waren, marschierte die Staatsgewalt dann doch noch in Lüneburg auf: Mehrere hundert Einsatzkräfte aus Niedersachsen und Hamburg rückten an und kesselten die 100 noch in Lüneburg verbliebenen Kameraden ein. Sie wurden stundenlang wegen angeblichen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung festgehalten. Erst gegen Abend konnten sich die letzten Kameraden wieder auf den Heimweg machen. Natürlich war auch dieses Verhalten der Polizei wieder rechtswidrig und wird ein juristisches Nachspiel haben.

Doch diese Repression soll uns angesichts des ansonsten erfolgreichen Aktionstages nicht weiter stören. Die Bevölkerung von Lüneburg und über einem halben dutzend anderer Städte in Nord- und Mitteldeutschland hat an diesem Tag erfahren, daß sich Widerstand nicht verbieten läßt. Schon gar nicht durch irgendwelche Gerichtsentscheide oder Polizeirepressionen.

Sascha Krolzig

Bilder: HIER





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