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Langsam und zitternd bewegt die knochige Hand den Stift über das Papier. Wort für Wort, Zeile für Zeile gräbt sich der tiefe Schmerz hinein, bannt den Text auf die Linien des ausgelegten Kondolenzbuches in der derzeitigen Ausstellung „Under Attack – Nahverkehr und Bombenkrieg“ im Verkehrsmuseum Dresden. Wenige Momente später können die nachfolgenden Besucher darin lesen:

„Total enttäuschend! Hier geht es ja nur um Coventry und seine `heldenhaften` Eisenbahner. Wo bleibt das Schicksal Dresdens? Überflüssig und irreführend. Kein Wort zur Bombenpolitik der RAF.“

Was in diesen Zeilen mitschwingt ist nicht nur die Enttäuschung über die mobile Ausstellung des london transport museum, welche nach außen mit dem Zusatz „London / Coventry / Dresden“ wirbt, sich jedoch tatsächlich nahezu ausschließlich mit den beiden britischen Metropolen auseinandersetzt. Die Zerstörung Dresdens wird hier nur beiläufig erwähnt, was den eigentlichen propagandistischen Hintergrund der Ausstellung deutlich hervortreten lässt. Auch die Tatsache, dass man zumindest mit dem Mythos von Coventry als unschuldige Stadt bricht, wirkt vor dem Gesamteindruck des Machwerkes eher bigott. So heißt es unter anderem:

„Zur Vorbereitung auf den Krieg begannen Coventrys Autofabriken mit der Herstellung von Waffen, Flugzeugen und Militärfahrzeugen. Ende der 1930er Jahre wurden in der Stadt und im näheren Umkreis neue `Schattenfabriken` zur Erhöhung der Kriegsproduktion errichtet.“

Nein, wer sich tief in seinem Innersten mit dem Schicksal Dresdens verbunden fühlt, spürt auch den Schmerz und die Verbitterung zwischen diesen Zeilen in jenem Kondolenzbuch. Niedergeschrieben von einem offenbar selbst Betroffenen, sprechen aus ihnen Schrecken und Scham über den unehrenhaften Umgang mit den Opfern des 13. Februar. Dieses Übel unterstreichen einmal mehr auch Aufbau und Gestaltung des diesjährigen 577. Dresdner Striezelmarktes auf dem Altmarkt im Herzen der Stadt.

Hier, wo nach den Luftangriffen vom 13. bis 15. Februar 1945 die Leichen von 6865 Menschen verbrannt wurden, wird die Herabwürdigung deutscher Opfer wohl am deutlichsten sichtbar. Ist die makabere Inschrift auf dem Straßenpflaster ohnehin der Art ihrer Gestaltung nach mehr als ungeeignet ein auch nur annähernd dem Anlass entsprechendes Mahnmal zu verkörpern, so wird sie obendrein bei jeder noch so kleinen sich bietenden Gelegenheit geschändet. Abgestellte Fahrzeuge, betrunkene Randalierer, aufgebaute Marktstände, rastende Touristen oder wie in diesem Jahr die ringsum aufgestellten Fress- und Verkaufsbuden des Weihnachtsmarktes welche diesen Ort der Erinnerung zweckentfremden, entweihen oder – wie im aktuellen Fall – den Zugang schlichtweg unmöglich machen. Ob nun grenzenlose Arroganz oder schlichte Angst vor aufrüttelnden Aktionen wie im vergangenen Jahr die Triebfedern eines solchen Handelns sind, bleibt das Geheimnis der Demokraten. Der Schutz der Opfer, welche hier sprichwörtlich täglich mit Füßen getreten werden, kümmert die Verantwortlichen offensichtlich einen Dreck. Damit demaskieren sie sich Jahr für Jahr als das was sie sind: als Grabschänder dieser dekadenten Gesellschaft.

Manch ungestümem oder oberflächlichem Geist unter uns mag es unnütz oder gar langweilig erscheinen, immer wieder gebetsmühlenartig gegen ein und denselben unduldbaren Missstand anzugehen. Ihnen aber sei erklärt, dass keine Aktion, keine Handlung um ihrer selbst Willen geschieht oder gar der Befriedigung eigener Erlebnisbedürfnisse zu gelten hat. Jene aber, die heute noch nicht in unseren Reihen stehen gilt es über diese unhaltbaren Zustände aufzuklären und unsere Forderungen in die Ohren zu trompeten, die da lauten:

Macht den 13. Februar zum offiziellen Gedenktag!

Ein würdiges Mahnmal zu Ehren der Dresdner Luftkriegstoten!

Mit einem offenen Brief, welcher auch in der unmittelbaren Umgebung des Altmarktes hundertfache Verbreitung in Briefkästen und Geschäften, an Haltestellen und vor Sehenswürdigkeiten fand, wandte sich das Aktionsbündnis gegen das Vergessen jetzt an die Dresdner Stadtverwaltung und forderte diese zur Stellungnahme auf. In dem an den derzeitig amtierenden Bürgermeister Dirk Hilber (FDP) gerichteten Schreiben heißt es unter anderem:

„…zum wiederholten Mal müssen wir, junge Dresderinnen und Dresdner, mit Empörung zur Kenntnis nehmen, wie die Luftkriegstoten unserer Stadt mit Füssen getreten werden. Anlass für dieses Schreiben ist der Aufbau des diesjährigen 577. Striezelmarktes, bei welchem die auf dem Straßenpflaster eingelassene Inschrift in Erinnerung an die hier nach den Bombenangriffen verbrannten 6865 Opfer abermals keine Beachtung findet… … Wir fordern Sie daher auf, dieses Schreiben allen Stadträten zur Kenntnis vorzulegen sowie zu den unhaltbaren Zuständen in dieser Angelegenheit öffentlich Stellung zu nehmen…“

Lesen Sie mehr auf der Sonderseite des Aktionsbündnisses unter www.gedenkmarsch.de und fordern Sie noch heute unser aktuelles Material zum 13. Februar 2012 an.

Autor bzw. Quelle: gedenkmarsch.de/dresden

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